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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Samstag, 30. Mai 2015

Die kultische Ebene des Spiels

Im ersten Moment mag dem Betrachter keinerlei Verbindung zwischen Kult und Spiel einleuchten. Diese Begriffe sind, in der heutigen, postmodernen Welt, weiter voneinander entfernter, denn je. Das Vergessen scheint gesiegt zu haben. Es hat sein Spiel für sich gewonnen.
Doch beginnen wir mit den "Survials": Überbleibsel von einstmals sinnbeladenen Handlungen, deren einstiger Hintergrund lang verloren und oftmals vielfach umgedeutet worden ist. Wenn wir einmal darauf achten, dann begegnen wir Ihnen ÜBERALL in unser aller Leben. Fragen wir nur einmal kritisch: Warum klatschen wir eigentlich Applaus? 
Banale Floskeln und ausweichende Umschreibungen als "symbolischer Ausdruck von Wohlgefallen" mögen folgen. Doch der eigentliche Sinn ist verloren. Dem ist nicht nur bei unseren Gesten und den meisten Symbolen so, sondern auch bei komplexen Handlungsabläufen, wie Sport und Spiel. Den meisten Dingen, deren tieferer Sinn nur behelfsmäßig und eben nicht im ursprünglichen Sinne, erklärt werden kann, liegt oftmals ein verstümmelter und reduzierter Kult aus Vorzeiten zugrunde. Eine Ausnahme davon bilden (relativ) neu erfundene reine Unterhaltungsspiele, wenn auch sie ehemals kultisch genutzte Elemente (wie zum Beispiel Würfel, die nicht umsonst aus Knochen und im Totenkult zur Bestimmung der Erbrechte durch den Totengeist dienten) sehr häufig unbewusst aufgreifen. Selbst dem, so beliebten, Ballspiel liegt die Nachbildung heiliger Früchte im Götter- und Pflanzenkult zugrunde. 
Wir stellen also fest: Wir sind umgeben von einer unüberschaubaren Zahl aus Überbleibseln vorangegangener Kulturen, deren Paradigmen wir nicht teilen und oftmals auch nicht verstehen könnten. Die Inhalte wurden immer und immer wieder in Zeiten des Menschenwechsels und Wandels verworfen und alte Traditionen neu interpretiert, damit sie ihre Aktualität behalten. Dabei entfernte sich jedoch zunehmens die Nutzung von der zeremoniellen Ur-Handlung. Die Magie der Sache nahm ab. Aus Kult wurde Spiel, aus dem Spiel ein fragmentarisches Relikt, das wir bis heute unhinterfragt übernehmen. Allein dieser Vorgang ist erschreckend genug.

Trotzdem muss an dieser Stelle noch einmal deutlich hervor gehoben werden, was der eigentliche Unterschied zwischen Kult und Spiel ist:

Beim Kult wird eine (Ur-)Ergriffenheit (von Extase oder Erkenntnis) innerhalb ritueller Handlungen direkt erlebt, erfahren oder memoriert. Es geht dabei klar um einen schöpferischen Prozess der Realisierung nicht alltäglischer Zustände und Erkenntnisse. Der Kult ist ein künstlerisch ausgestalteter Entwicklungsprozess des Menschen. Er findet auf einer höheren Seins-Ebene und in speziellen Kontexten statt.

Das Spiel dagegen ist die Abstraktion eines bereits realisierten Paradigmas. Es ist der Naturvorgang des Gewahrwerdens. Wahrnehmungen und Kräfte werden gedeutet, vielfach fantasievoll ausgeschmückt und gemessen. Das Spiel findet auf der alltäglichen Seins-Ebene statt, kann jedoch auch nicht-alltägliche Vorgänge unterhaltsam widergeben.



Merke: Spiele sind kein Kult, auch wenn sie daraus entstanden sein können. Bei postmodernen Spielen ist eine kultische Deutung meist abwegig. Kulte könnten auch aus Spielen heraus geformt worden sein (von Natur zu Kultur), auch wenn diese Entwicklungsrichtung in den meisten Fällen ausgeschlossen werden kann.

  
Quelle:

Jensen, A. E.: Mythos und Kult bei Naturvölkern, Nördlingen 1991, S. 80 - 104

 

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