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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Samstag, 28. März 2015

Der goldene Mann von Issyk

Fünfzig Kilometer östlich von Almaty, im heutigen Kasachstan, befindet sich der archäologische Fundort Issyk, inmitten großer Landmarken, wie Balkhash-See und Issyk-Kol. Bereits seit dem 5. Jh. v. u. Z. besteht hier ein Hügelgräberfeld, dessen Art man als "Kurgan" bezeichnet. Die übergeordnete Landschaft, in der wir uns gedanklich befinden, wird als Siebenstromland bezeichnet.
Der sogenannte „Goldene Mann“ ruhte als Nebenbestattung in einem von insgesamt 45 Kurganhügeln auf der linken Uferseite des Flusses Issyk, mit einem äußeren Durchmesser von etwa 30 bis 90 Metern, sowie einer Höhe zwischen 4 und 15 Metern. Seinen Namen bekam er vor allem wegen den unzähligen goldenen Applikationen auf seiner Kleidung, die dem Tierstil zuzuordnen sind. Die dazugehörige Hauptbestattung war möglicherweise einst ähnlich prunkvoll gewesen. Doch lange vor den ersten Ausgrabungen im Issyk-Kurgan, lockte der Ruf des Goldes, der auch heute noch Menschen an der Rekonstruktion des jungen Sakenfürsten fasziniert. Entgegen der auf die Masse des Goldes angelegten Darstellung und Benennung, handelt sich hierbei keineswegs um einen Schatzfund, sondern um eine reguläre Bestattung gehobener Kreise, die ethnisch den Saken zugeordnet wird.
Der Grabfund an sich wurde auf einer Ausgrabung kasachischer Archäologen unter Leitung Kemal A. Akishev gemacht. Bei den Grabungstätigkeiten in den Jahren 1969 und 1970 wurden nur vier der Hügel untersucht, wovon drei bereits stark beraubt waren. Auch bei dem hier zu behandelnden Kurgan war ein senkrechter Schacht mit zentralem Beraubungstrichter, umgeben von Geröll, vorhanden. Hier schon zeigte sich der Aufbau der aufgefundenen Grabanlagen, welche aus Flussgeröll und Lehm in drei bis vier abwechselnden Schichten aufgebaut wurden. Die Bestattung des „Goldenen Mannes von Issyk“ fand sich von der Hauptbestattung aus etwa 15 Meter weiter in Richtung Süden. Da beide Grabkammern auf annähernd gleicher Höhe lagen, kann eine zeitliche Nähe der Einbringung in den Boden angenommen werden. Der Gesamtdurchmesser betrug noch ganze 60 Meter, bei einer Höhe von 6 Metern. 
Neben der Bekleidung, ist der Fund vor allem wegen seiner Unberührtheit, wider aller Umstände, so besonders. Aber auch aus dem Bildinhalt kann so manche Schlussfolgerung zu den gedanklichen und kulturellen Hintergründen des jungen Sakenfürsten, gezogen werden. So kann man hier eine schamanische Weltsicht annehmen, deren zentrales Element ein Weltenbaum bildet. Die außergewöhnliche Ausstattung des goldenen Mannes, kann als Kartierung der andersweltlichen Ebenen mit Unterwelt, Mittelwelt und Oberwelt,  gelesen werden. Die figürlichen Goldornamente stellen womöglich Geistwesen und Kraftpersonifikationen dar, die dem Toten im Jenseits beistehen sollen. Es handelt sich also um die Vorbereitung einer Jenseitsreise, die man hier archäologisch fassen kann.


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Bild:

 "Der Goldene" von Poeta Immortalis 2015

Quellen:

Akishev, K. A.: Issyk Mound, The Art of Saka in Kazakhstan, Moscow 1978, S. 128
Häusler, A.: Der Kurgan Issyk – ein Denkmal der Saken, In: Brentjes, B.; Herrmann, J.; Irmscher, J.
(Hrsg.): Das Altertum, Heft 2, Bd. 29, 1983, S. 104 - 106


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