NebelALLraunen ist...

eine Fülle an Seiten und Artikeln voller vielfältigster, ungeschönter Realitäten jenseitiger, wie diesseitiger Natur... wissenschaftliche Klarheit und Offenbarung wird eins; und das ganz ohne dogmatische, monistische Absichten oder gar Absolutheitsansprüche.

Rekonstruktionalismus und Technismus lösen hier mystische Geheimniskrämerei ab.

_____________________________________________________________________________

Du bist neu hier? Eine erste Einführung hilft dir weiter!


Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Mittwoch, 11. März 2015

Das Ischtar-Tor von Babylon und seine Berliner Rekonstruktion (Teil 2): Die Prozessionsstraße „Aîbuŝâbum“


Die Prozessionsstraße, die von Norden nach Süden durch das Ischtar-Tor verlief, wurde, in ihrer vollen Länge, nach den Stadtbeschreibungen Nebukadnezars, „Aîbuŝâbum“ genannt. Ihr nördlicher Teil, also vom Ischtar-Tor zur Heiligen Pforte, hieß „Iŝtar lamassi ummâniŝu“ und war besonders für den Ischtarkult von Babylon bedeutend. Das Tor nahm im Süden, den als Landstraße geführten Teil, Aîbuŝâbu's auf. Wie ein merklicher Knick, in der Nähe des Palastportals zeigt, führte der ursprüngliche Verlauf parallel zur Nordostmauer, bis zum Tempel der Ischtar im Viertel „Gottespforte“ , also „Bab Ili“. In dieser ersten Bauphase war auch das Niveau der Straße noch viele Meter tiefer und wurde in einer zweiten Phase um 10,85 Meter erhöht und neu errichtet. Zur Zeit Nebukadnezars II. also in ihrer dritten Baustufe, wurde die Straße erneut um 15 Meter erhöht, abgelenkt und zur Prozessionsstraße nach Esagula umgebaut. Sie erreicht nun eine Breite von ca. 30 Meter. Dieser Umbau erklärt sich vor allem durch den Bedeutungszuwachs des Mardukkults, der Stadt Babylon, der nun eine repräsentative Kultstraße erforderte, die nun über den Libilkhegalla-Kanal am Süd-Palast vorbei auf die höhergelegene Palastebene führte. Zwischen dem Hauptpalast und dem Arbeiterviertel nahm das Höhenniveau der Straße ab. Das Aussehen der Prozessionsstraße „Aîbuŝâbum“ lässt sich weiterhin an Resten der Pflasterung erkennen, die südlich des Ischtar-Tores erhalten geblieben war. Es handelte sich um große weiße Steine, begrenzt von rötlichen Pflastersteinen sehr harten Materials, welche von den Inschriften „turminabanda“ genannt werden. Der südliche Teil der Straße war mit großen Kalksteinblöcken gepflastert, die Keilschriftinschriften mit dem Namen des Ischtar-Tores enthielten. Außerhalb der doppelten Stadtmauer waren die Wände des nördlichen Teils der Prozessionsstraße waren zur Rechten und Linken mit glasierten Ziegelreliefs geschmückt, die von Löwen geziert wurden. Viele davon werden heute im Irak-Museum Bagdad ausgestellt. Die Nutzung des Proessionsweges erfolgte vor allem zum Neujahrsfest in einem großes Spektakel mit einer feierlichen Prozession. Die Statuen der Götter und Göttinnen aus Esagula, Epatutila, Ninmah, sowie aus dem Gula-Tempel und dem Nabu-Tempel in Borsippa wurden in das Neujahrsfest-Gebäude am Ende der Straße gebracht. Ein solches tempelähnliches Gebäude wurde zum Beispiel bei den Ausgrabungen in Ahur-Qalat Sherkat gefunden.
Die heiligste Straße von Babylon, „Aîbuŝâbum“, findet sich heute in einer aufwendigen, jedoch deutlich verkleinerten Version im Berliner Pergamon-Museum, wo sie in jahrelanger Rekonstruktion aus abertausenden Ziegelfragmenten, nach einem aufwendigen Auslaugungsprozess, zusammengesetzt wurde. Als eines der bedeutendsten deutschen Ausgrabungsergebnisse der im Jahr 1899 noch jungen Archäologie, wurde der sich immer wieder repetierende Löwe, zum Logo der Deutschen Orient Gesellschaft.


Bild:
Löwe vom Prozessionsweg „Aîbuŝâbum“, Foto von Poeta Immortalis 2015

Quellen:
von Eickstedt, Uta: Die Rekonstruktion des Ischtar-Tores und der Prozessionsstraße von Babylon,
In: Vorderasiatisches Museum Berlin, Geschichte und Geschichten zum hundertjährigen Bestehen,
Berlin 2000, S. 25
Jordon, Julius: Guide through the ruins of Babylon and Borsippa, Bagdad 1937, S. 10
Unger, Eckhard: Babylon, Die heilige Stadt nach den Beschreibungen der Babylonier, Leipzig
1931, S. 111

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen