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Rekonstruktionalismus und Technismus lösen hier mystische Geheimniskrämerei ab.

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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Dienstag, 30. Dezember 2014

Wahrheit aus Mythen

Von frischen spirituellen Ranken aus dem Boden der Wissenschaft – warum neue pagane Wege und Wissenschaften sich gut verstehen können


Zwischen Wissenschaft und Spiritualität

Wo Wissenschaft und Praxis zusammentreffen, entsteht Fortschritt. Doch nicht überall ist solch ein Zusammenspiel üblich. Gerade im Bereich der Geisteswissenschaften existieren große Grauzonen, die erst langsam durch privates Engagement erschlossen werden. Dabei entstehen auch Brücken in spirituelle, polytheistische und okkulte Bereiche, die sich jedoch klar von der Esoterik abgrenzen. Die Rede ist hierbei vor allem von rekonstruktionalistischen Strömungen, welche mit anerkannt wissenschaftlichen und grenzwissenschaftlichen Methoden zu einer experimentellen Praxis führen, die gerade heute Aktualität bietet. Es entsteht eine durchaus subjektive Erfahrung, einst nur theoretisch beleuchteter Felder, was ein tieferes, inneres Verständnis, sowie ungeahnt direkte Einblicke in die Lebenswelt alter Kulturen ermöglicht. Durch Gruppenarbeit und Technisierung von rituellen Vorgängen, können übereinstimmende Erfahrungen nachgewiesen und zu objektiven Beobachtungen formuliert werden.

 
Die Faustsche Idee

Einer der wichtigsten Antriebe in diese Richtung der neuen Maßstäbe ist klar der Wissensdurst, das Verlangen zu ergründen, was sich hinter den gewohnten Grenzen normativer Versteinerung befindet. Wem ist noch nicht aufgefallen, dass es in den Wissenschaften einige Themen gibt, die tabuisiert sind, in denen es auf der alten Grundlage kein Vorankommen geben kann? Nun gilt es nur noch auf vielversprechende Ideen zu kommen. Und diese liegen sehr oft in der Praxis. Was hindert uns eigentlich daran alte Kulte, von denen wir theoretisch etwas wissen, auch in der Praxis auszuführen? Ist es die Angst vor dem Unbekannten? Sind es Vorurteile, begründet aus dem eigenen, wertenden Weltbild? Wer sich von alledem lösen kann, dem eröffnen sich unendliche Weiten. Weiten, die das Potential haben wirklichen Fortschritt zu erlangen. Der Gedankengang an sich ist nichts Neues, sondern die Art der Umsetzung, die in den letzten Jahren weit mehr Verbreitung in der dazugehörigen Fachliteratur gefunden hat.

 
Wellen der Entwicklung

Angefangen mit Mircea Eliade, sind offenere Ansichten gegenüber, zuvor als „primitiv“ und „rückschrittlich“ betrachteten, kulturellen und spirituellen Systemen entstanden. Im Bereich des Schamanismus ist Michael Harner, mit seiner später gegründeten Foundation for Shamanic Studies, ein Vorreiter, der als Ethnologe den Schritt von einer distanzierten, zu einer direkten Betrachtungsweise gewagt hat. Vergleichend analysierte er verschiedene Praktiken ursprünglicher Kulturen auf der ganzen Welt und entwickelte aus den Übereinstimmungen Techniken, die unabhängig von dem kulturellen Hintergrund ihrer Benutzer zu Erfolg führen. Der Core-Schamanismus war geboren. Der sogenannte Kemetismus, die Ausübung der Kulte des alten Ägypten, hatte seine Geburtsstunden in den USA und schwappt erst heute mehr und mehr nach Europa. Wellen der Entwicklung brechen herein.

 
Verifizierbarkeit statt Mysterien

Die wichtigste schamanische Technik bildet die Geistreise, welche sich wie eine Meditation nach Außen, oder ein kontrollierter, luzider Traum anfühlt und von Jedermann mit etwas Übung praktiziert werden kann. Wissen mit durchaus alltäglicher Relevanz kann von überall her zuverlässig bezogen werden. Eigene Erfahrungen, sowie, im Laufe der Praxis, neu entstehende Techniken lassen nach und nach eine individuelle Spiritualität entstehen. Der Kontakt mit anderen Praktizierenden offenbart erstaunliche Übereinstimmungen, die nicht aus bloßem Zufall resultieren können. Dieser durchaus auch internationale Austausch ließ viele weitere technisierte oder rekonstruierte Wege heranwachsen. Ceisiwr Serith eröffnete einen Zugang zu unseren frühen Vorfahren mit dem Buch „Deep Ancestors – Practicing the Religion of Proto-Indo-Europeans. Weitere Entwicklungen stießen Größen, wie Jan Fries, Thomas Karlsson, Edred Thorsson, E. A. Wallis Budge oder Sharon La Borde an. Neopagane und okkulte Bewegungen bekommen immer größeren Zulauf aus wissenschaftlichen Kreisen. Verifizierbarkeit steht als Konzept mehr und mehr im Vordergrund und bildet einen Kontrast zu den etablierten Religionen. Die alte Geheimniskrämerei hat ein Ende. Ein neues Kapitel beginnt.

 
Stimmen zur Praxis

Naturverbundenheit, sowie eine tiefgreifende Ethik des Gleichgewichts, der Wahrheit und Gerechtigkeit verbinden verschiedenste Menschen aus modernen spirituellen Strömungen, von denen hier vier zu Wort kommen sollen. Als logische Konsequenz einer solchen Ausrichtung folgt vor allem ein stetiges Streben nach Wissen, neuen Erkenntnissen, tieferen Einblicken in die Natur der Dinge. Eine Entwicklung zur Wissenschaftlichkeit.

Wie kamst du zum Schamanismus?
Leonhard: „Über das Interesse an Heilpflanzen - also eher in Richtung Medizinmann-Arbeit. Dann ist es nicht mehr nur bei den Heilpflanzen geblieben.“*

Wie bist du zum Kemetismus gekommen? 
Sandra: „Meine erste intensivere Begegnung mit der altägyptischen Kultur hatte ich im Kunstgeschichtsunterricht in der fünften Klasse. Mich faszinierte damals schon der umfangreiche Totenkult und die ägyptische Götterwelt. Im Rahmen von Wicca, Ritualmagie und Schamanismus fand ich dann praktische Werkzeuge um mit der spirituellen Tradition der Alten Ägypter zu arbeiten, die Götter zu verehren und in ihre komplexe Philosophie einzutauchen. Auch das Studium der modernen Ägyptologie ist ein wichtiger Bestandteil meiner Praxis. Als ich dann die amerikanische Kemetismus-Szene kennenlernte, erweiterte sich meine persönlich Praxis dann um einen großen internationalen Freundeskreis der mich täglich inspiriert und bereichert.“ 
Richard: „Bei mir war es im Speziellen der Kontakt und die Verehrung des Gottes Seth und das Interesse an der Ma'at.“*

Was ist dein Antrieb zur spirituellen Praxis? 
Sandra: „Die Erhaltung der kosmischen Ordnung, die wir Ma'at nennen. Sie ist essentielle Lebensgrundlage, sowohl in einer kosmischen, sozialen und individuellen Dimension und jedes lebendige Wesen wird als Mitschöpfer des immer wieder von neuen beginnenden Schöpfungsprozesses gesehen.“ 

Wie hilft dir persönlich der Kemetismus? 
Sandra: „Die täglichen Rituale helfen mir meine Spiritualität zu strukturieren und die Sphäre des Göttlichen in meinen Alltag zu integrieren ohne dabei Bodenhaftung zu verlieren. Kemetismus ist sehr pragmatisch und bei Weitem nicht so mystisch und undurchsichtig, wie oft angenommen wird. Nachhaltigkeit, Sozialkompetenz und Stabilität ist bei uns wichtiger als Erleuchtung, Wahnsinnskräfte oder andere spirituelle Superlative. Ich hab dadurch gelernt die kleinen, unspektakulären Dinge zu schätzen und bin nicht mehr auf der Suche nach überwältigenden Erfahrungen. Weder im spirituellen noch im zwischenmenschlichen Bereich.“


Vielen Dank an Leonhard, Sandra und Richard für eure persönlichen Ansichten!

* Ich habe mir vorbehalten manche Zitate sinngemäß zu kürzen.










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