NebelALLraunen ist...

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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Dienstag, 2. Dezember 2014

Vom Welten- zum Weihnachtsbaum - und zurück?!


Allen zyklisch ablaufenden Terminen, die wir heute kennen, ja selbst banal erscheinenden Kinderspielen (z.B. Himmel-und-Hölle-Spiel = Kultspringen zur Abwehr von Unglück), liegen allzuoft christlich verballhornte, abgemilderte Rituale größter Kraft zugrunde, deren Bedeutung weit in schamanische und andersweltliche Ebenen zurückreicht.
Dabei wurden freilich, ganz nach konstantinischer Art, Schlüsselpunkte des vorherigen paganen Lebens mit riesigen Monstern aus Künstelei und Lüge überbaut. Den Platz der "Equites Singulares" nimmt in diesem Fall ganz klar die Wintersonnenwende ein, deren Kultkreis sich um Sonnenlauf, Weltenbaum, Opfer zum Zwecke der Erkenntnis und wilde Jagden dreht. Das (artflexible) heilige Abbild von Yggdrasil holte man sich auf Götterweisung und mit viel Inuition, zur Wahrung des eigenen Gleichgewichts, durch Ausrichtung an der schamanischen Weltenmitte, gemeinsam mit der Seele des heiligen Haines, ins Haus. Der immergrüne Tannenbaum steht wie kein Anderer, für die Beständigkeit, die Sicherheit des wiederkehrenden Lebens und das Wiedererstehen zur letzten Schlacht (Ragnarök). Zeitgleich lässt er uns das große Opfer, das Odin, am Weltenbaum hängend, erbrachte, vergegenwärtigen. Eine Initiation setzt sich in Gang. 
Für Gedeih- und Wohl der 13 Großen (12 Asen + Odin) hängt nun Jeder seine eigenen Opfer in den heiligen Baum. Doch nicht umsonst müssen wir wartend die Thursen (Eisriesen) über uns kommen lassen: Der Allvater bringt denen, die ihn wahrlich ehren, reichliche Gaben! 
Unsichtbar hinterlassen die Frostigen Krankheit bei denen, die nicht wissen, ihnen richtig zu begegnen. Es ist nun Zeit dem göttlichen Eiswind munter Kiefernrauch und Trank (Libation) zu schenken. So wird er einen nicht nur verschonen, sondern auch aufs Wort zur Seite stehen! Sollte alledem nicht genug sein, dreht man schlicht die Kleidung ein. Und zwar auf links. Eine Teilhandlung reicht dabei meist schon aus. Ob Handschuh, Mütze, Schal, Jacke oder Mantel, die Verwirrung ist perfekt, wenn die subtilen Kräfte, die euch umgeben, verrückt spielen. Aus einer andersweltlichen Sicht kann das wie ein Nebel wirken. Derselbe Trick klappt auch, falls euch ein Waldgeist euch orientierungslos machen sollte. Berechtigterweise hegen sie oftmals Zorn gegen Menschen... Macht in so einem Fall am Besten klar, dass ihr auf seiner Seite seid. Gebt ein Opfer, kommuniziert mit ihm und schafft euch damit einen weiteren Verbündeten!
Auch die Pflanzen- und Früchte des Waldes können euch trotz des hereinbrechenden Winters weiterhin Verbündete sein. Eine Geistreise offenbart, dass die diesseitig so karge Natur, im Jenseits sehr aktiv ist! Nüsse, Früchte und Kräutergeflecht machen sich wunderbar als funktionale Zierde des heimischen Yggdrasil.
Lasst euren Baum ruhig werden, was er einst war: Ein Ort der Natur- und Götterverehrung, des wohligen Schutzes und der Apotrophie. Der Plastikbaum kann dagegen nur chemisch abstinken... 
Besonderen Schutz vor allerlei Unglück bieten euch auch die natürlichen Wahrzeichen des Donar, wie versteinerte Seeigel (mit Fünfstern) und Belemniten (versteinerte Urzeittintenfische), die neben modernen Thorshämmern, nicht nur einen bestimmten Baumschmuck abgeben, sondern bei Trank, Segenssprüchen und Wünschen in der Julnacht rituell mit Bier libiert (also übergossen) werden können. Nach solch einer Gabe, kann auch Thor als Schenkender, mit seinem von Böcken gezogenen Wagen, erscheinen. Damit gibt es freilich nicht nur einen einzigen paganen "Weihnachtsmann", sondern es ist die Essenz vieler gabenbringender Götter, die zu einem "longue durée"-Phänomen wurde. 

Möget ihr mit diesen magietechnischen Hinweisen sicher ins neue Jahr kommen!



Quellen:
  • Demandt, Alexander: Geschichte der Spätantike, München 1998, S. 42 ff.
  • Eliade, Mircea: Schamanismus und archaische Extasetechnik, S. 168 ff.
  • Kern, Josef : Vorzeitglaube im nordwestböhmischen Volksbrauch, In: Gierach, Erich: Deutsche Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in der Tschechoslowakei (Hrsg.): Sudeta.  Zeitschrift für Vor- und Frühgeschichte, 4 - 5, Jahrgang IV, 1928 - 1929, S. 20 ff.
  • Rätsch, Christian: Der heilige Hain, Germanische Zauberpflanzen, heilige Bäume und schamanische Rituale
  • Thorsson, Edred: Alu, An advanced Guide to Operative Runology, San Francisco 2012, S. 141


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