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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Römische Reliefkunst als Zeugnis germanischer Bewaffnung

Siegessäule des Marc Aurel, Rom
Kriege waren immer schon Thema medialer Aufmachungen, wie dieses Beispiel der römischen Reliefkunst darlegt... der Kult um Kaiser und Sieg... heute nur mit anderen Rollenverteilungen, aber stets aktuell... die MAGIE DER MACHT...


Reliefs, insbesondere, öffentlich präsentierte Staatsreliefs, hatten für die Römer einen ähnlichen Stellenwert, wie die Literatur, ja wurden direkt an diese angelehnt. Die, bis heute erhaltenen, Bilder der großen spiralreliefierten Säulenmonunente der Kaiserzeit in Rom erzählen solch eine Idealgeschichte der „Res Gestae“ von als Kriegshelden verehrten Kaisern.
Als besonders aussagekräftiges Beispiel für die Betrachtung der germanischen Bewaffnung, soll kurz die Siegessäule des Marcus Aurelius vorgestellt, Verbindungen erläutert und mögliche Interpretationen behandelt werden. Der zukünftige Kaiser Marcus Aurelius wurde 121 n. Chr. in Rom geboren, in einer Zeit, als Hadrian noch über das römische Imperium regierte. Sein Leben endete, wie er es so oft verbrachte, in der Schlacht bei Vindabona des Jahres 180 n. Chr., dem heutigen Wien. 19 Jahre war er selbst Herrscher, von 161, bis an sein Lebensende. Für diesen Herrscher der Kriegszüge wurde der berühmte dekorierte Spiralfries auf dem Forum Trajanum als ein Herzstück errichtet. Doch an diese Stelle werfen sich quellenkritische Fragen auf: Wer war der Auftraggeber und in welchem zeitlichen Verhältnis, welchen Quellen heraus wurde die freistehende Säule mit ihren prächtigen Reliefzügen gestaltet? Darauf soll nun Antwort folgen: Der Sohn des Aurelius, Commodus, ließ diese Siegessäule zu Ehren und Ruhm seines Vaters errichten. Dabei wurde eine große Anlehnung an die, 113 n. Chr. geschaffene, Trajanssäule, die erste ihrer Art in Rom, mit Darstellungen der Dakerkriege, hergestellt. Ältere, indirekte Vorbilder, bildet der Typus der Jupitersäulen, die zum Beispiel im späteren Mainz unter Kaiser Nero bereits um 58 bis 67 n. Chr. errichtet worden sind. Diese Zeugnisse leiten sich von der griechischen Tradition der freistehenden Säulen, sowie den ägyptischen Obelisken als königliche Monumente ab. Inhaltlich jedoch fällt eine große Differenz zwischen dem direkten Vorgänger auf selbigem Platz, der Trajanssäule und der des Marcus Aurelius auf. Beide stellen dabei keine historischen Ereignisse, sondern rhetorische Werke, die hinter den Bildwerken stecken, in heroisierender quasidokumentarischer Kunst dar. Ziel ist auch der Aufbau eines Barbarenfeindbildes, sowie die Triumpfdarstellung über deren Lande. Es war ein langer Krieg, den Marcus Aurelius gegen die Germanen nördlich der Donau im sogenannten „bellum germanicum“ führte, der direkt auf das Ende des Partherkrieges folgte. Die Säule als unchronologische Darstellung, wirkt wie ein Puzzle aus dem Leben des Kaisers, das dem Werk eines Topographen gleichkommt. Die Datierung findet sich auf dem Monument selbst und verweist auf 176 n. Chr., also wenige Jahre vor dem Tod des römischen Heerführers. Inhaltlich finden sich in der Darstellung, der zu untersuchenden Bewaffnung bei römischen Truppen historisch sehr korrekte Bilder, mit fein ausdifferenzierten Rüstungsunterschieden, die auf unterschiedliche Legionen hinweisen. Jedoch finden sich grobe Fehler bei der germanischen Waffenausstattung, da die „Barbarentruppen“ hier, angelehnt an die Trajanssäule, mit der Falx, einem typisch dakischen, meist beidhändig geführten Schwert abgebildet werden; eine Waffe, für die die Daker gefürchtet waren. Diese Ableitung folgt der Literatur der Zeit, jedoch nicht der archäologischen Wirklichkeit. Auch die Reiter sind in den Abbildungen auf Seiten der Germanen klar überrepräsentiert, tragen jedoch auch meist die typischen Waffen, Speer und Schild, die wiederum der Realität nahe kommen. Als wichtigste Szenen der Säule des Marc Aurel seien die Donauüberquerung und das Regenwunder genannt. Die Siegesgöttin Viktoria bestimmt über alle Szenen hinweg Sinn und Inhalt: Den Sieg über die germanischen „Barbaren“.
Ein Sieg, der de facto weit mehr in seiner Darstellung wiedergibt, als tatsächlich hätte errungen werden können. 




Bildquelle: Matthias Kabel, bearbeitet von Poeta Immortalis


Quellen:
Beckman, Martin: The column of Marcus Aurelius: the genesis & meaning of a Roman imperial
monument, Chapel Hill 2011, S. 2, 5, 24, 155 f.

von Carnap-Bornheim, Claus: Zu „magischen“ Schwertperlen und propellerförmigen Seitenstangen
in kaiserzeitlichen Moorfunden, In: von Carnap-Bornheim, Claus (Hrsg.): Germanen und Sarmaten
zwischen dem 1. und dem 4. Jahrhundert nach Christus, Kontakt – Kooperation – Konflikt,
Neumünster 2003, S. 371 – 380.
Ferris, Ian M.: Hate and War: The column of Marcus Aurelius in Rome, Stroud 2009, S. 19 – 21.

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