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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Samstag, 11. Oktober 2014

Mythomagie (und Lyrik: Ymirs Schädel)



Mythomagie (auch Mythodmagick) ist Magie, die auf Basis der Kraft von Mythen, Sagen, Geschichten, ja sogar Fantasyliteratur, reale Wirkungen im Hier und Jetzt entfaltet. Dabei werden mit Hilfe von Vergleichen und Verknüpfungen zum aktuellen Geschehen sympathiemagische Verbindungen aufgebaut und mythische Zustände umgesetzt. Das Vergangene wird, unabhängig davon, ob einst grobstofflich, feinstofflich oder in Gedankenwelten geschehen, immer und immer wieder erneut mit gebündelter Gedankenkraft durch die Träger einer Mythologie belebt. Darin enthaltene natürliche (z.B. Götter und Heroen, Hilfsgeister) oder künstliche Wesenheiten (Egregore) erhalten durch diese Belebung neue Energien und können damit ihren Aktionsradius, deren Vielfalt und Wirkkraft erweitern. Eine typische Umsetzung von Mythomagie erfolgt seit Alters her durch lyrische oder, zumindest den mythischen Umständen nahekommende, Rezitation, Schauspiel und Maskentänze.
Da Mythomagie eine Unterart der Sympathiemagie darstellt, wird die größte Wirkkraft erreicht, desto Ähnlicher die Nachahmung dem Orginal wird. Natürlich spielt auch die Quantität der Anhängerschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle. 
Also man sieht hierbei: Es spielt kaum eine Rolle, ob eine magisch umgesetzte Mythologie tatsächlich geschehen ist oder einfach einer lebendigen Massenfantasterei entsprungen ist. Das erklärt auch, warum Rezitation aus der Bibel oder Rituale um Christus überhaupt eine Wirkung entfalten können, trotz enormer Widersprüche in Handlung und Geschichte.
Der Vorteil polytheistischer Mythomagie ist dabei, dass vergleichbare und sogar stärkere Wirkungen auch ohne Massen an Gläubigen zu erreichen sind, weil diese Mythen auf Wahrheiten beruhen und zugleich einstmals eine ebenso eine große Anhängerschaft innehatten.
Besonders überwältigend finde ich die Wirkung kemetischer (ägyptischer) Mythomagie... Aber, um hier auch mal Asatru, u. Ä. oder einfach Magietreibende mit einer gewissen Begeisterung für germanische Mythologie anzusprechen, möchte ich, als selbst vielseitig arbeitender Magier, ein an der Edda orientiertes mythomagisches Gedicht vorstellen, das nur im Aufbau Anregungen von kemetischen Rezitationen aufgenommen hat:


Ymirs Schädel - eine Bannrezitation

Die Söhne Bors, sie ziehen aus:
Den Riesen Ymir, sie erschlugen,
trugen, in das Ginungagab,
erhoben in sein Himmelsgrab.

Ein Aug' wird Sol, in brennend Weltenwacht. (rechte Hand erheben)
Ein Aug wird Mani, schützend in der Nacht. (linke Hand erheben)
Die Zwergenhand hält beid' mit Macht,
den Schädel Ymirs, fest und sacht.
Der Erste heißt Oster, bewachend den Osten, (Blick nach Osten)
stark der Blick, voll Zaubergeschick!
Der Zweite heißt Wester, bewachend den Westen, (Blick nach Westen)
stark der Blick, voll Zaubergeschick!
Der Dritte heißt Norder, bewachend den Norden, (Blick nach Norden)
stark der Blick, voll Zaubergeschick!
Der Vierte heißt Süder, bewachend den Süden, (Blick nach Süden)
stark der Blick, voll Zaubergeschick!

So bin ich geschützt durch Ymirs Opfer,
des Bor's Söhne Werk,
Sonne und Mond
vier uralt' Zwerg!

von Poeta Immortalis frei gedichtet nach der Edda


Ihr könnt dieses kleine Werk zum Beispiel als einleitende Bannung vor einem größeren Ritual oder auch einzeln, wenn Bedarf besteht, einsetzen. Viel Erfolg!



Zum Bild:
"Mythomagick" von Poeta Immortalis, 2014, Acryl auf Malpappe, 13x18 cm
 

Kommentare:

  1. Interessante Anrufung, besten Dank - die ich bei Gelegenheit entweder selber praktizieren werde oder durch eigene Kreation ergänzen und erweitern werde.

    Auch das gemalte Bild da kommt ne Menge rüber. Der erste Gedanke, der mir da auftauchte waren die Säulen "Jachin und Boas", nur mit das diese nicht wie in der Freimaurerei in schwarz und weiß als Kontrast gemalt wurden, die dem Inhaber von NebelAllraunen hier sicherlich etwas sagen...;) Als ich genauer hinsah, entdeckte ich die Rune DAGAZ und oben mittig das "allessehende Auge", mit dem ägyptischen Zeichen des Lebens, dem ANCH, auch das entspringt,wenn ich mich richtig erinnere ägyptisch-magischen Traditionen und auch der Freimaurerei. Letztere hat sich ja nun mal auf ägyptische Weisheiten bezogen, so auch auf die magischen Kräfte der Pyramiden und des Kunsthandwerks des Pyramidenbaus...

    Die Farbenkombination, Respekt zeigt Vielfältigkeit und Bewegung, da ist nichts Starres, die Farben, verbinden auf harmonische Art und Weise verschiedene Welten, unten, mittig und oben. Ansonsten sind in dem Bild recht stark die Kräfte des Feuers vertreten, meiner Ansicht und Wahrnehmung nach, was sich durch die roten Zeichen und die verschiedenartigen Dreiecksformen zeigt - soweit mein "Kommentar" zu diesem Bild und Deinem Text.

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  2. Dann danke ich soweit für den umfangreichen Kommentar, müsste jedoch ein paar Interpretationen korrigieren: Mit Freimaurerei hat dieses Bild nichts zu tun, wohl aber mit ägyptischen und griechischen Polytheismus. Das Feurige könnte von der prometheischen Energie kommen, die ich hintergründig gehalten habe. Runen sind das an der Seite nicht, sondern Sigillen, die die heiligen Feuer schützen und vergrößern. Die Flamme des Lebens stammt von Ra, der Sonne selbst. Doch auch manch dunkler Pfad wird durch diese Kraft genährt... bzw. die Maske dunkler, chtonischer Pfade, die durch egregore Gedankenwelten, durch Bücher und Konversation in die Welt tritt... Die beiden Säulen sind links Bal und rechts Gor. Leben und Tod, welche mit bestimmten Geistern verbunden sind...

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