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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Montag, 11. August 2014

Das Heiligtum von En Gedi - polytheistisches Kultzentrum des Chalkolithikums

Entgegen der oft verbreiteten Begrifflichkeit als abrahamitisches "Heiliges Land", die impliziert dies würde nur für die drei großen monotheistischen Religionen gelten, hatte Israel schon in polytheistischen Vorgängersystemen einiges an Heiligkeit zu bieten. Das zeigt sich vor allem an den Funden der Kupfersteinzeit (Chalkolithikum).

Der Fundort von En Gedi ist auf einem prominenten Felsen am israelischen En Gedi Quell gelegen, der die lokale Oase bewässert. Bedeutend ist vor allem der Architekturbefund, der als Tempel gedeutet wird. Dieser besteht aus einem langrechteckigen Gebäude, das von einer unregelmäßigen Mauer umgeben wird. Das schmale „Tempelgebäude“ an sich befindet sich ungefähr am Nordrand des Komplexes. Seine südliche Langseite hat einen zentral gelegenen Eingang, der in Richtung Küstenverlauf des Totes Meer weist. Eine erhöhte Plattform befindet sich direkt gegenüber dieses Portals an der Nordwand. Im Nordostrand befindet sich ein kleineres Rechteckgebäude, dessen Eingang nach Südwesten ausgerichtet ist. In der Mitte ist eine kreisförmige feste Feuerstelle angelegt. Die umgebende Temenosmauer öffnet sich durch zwei Tore nach Nordosten und Süden. Dabei ist das südliche Tor als durchgängiger Rechteckraum errichtet worden.
Die Datierung verweist mit 3100 v. u. Z. auf das späte Chalkolithikum. Ältere Schichten wurden bisher nicht ergraben. Vom Ausgräber wird die Anlage als zentrales Heiligtum bezeichnet. Die im Inneren aufgefundene Wandbemalung spricht hierbei deutlich für ein Sondergebäude. Dessen Ausrichtung gen Totes Meer, die Lage an einer bedeutenden Süßwasserquelle, sowie die Installation eines Wasserbeckens im Inneren lassen zudem auf einen Wasserkult schließen. Würde man von dieser weitführenden Interpretation einen Schritt zurückgehen und allein das Wasserbecken im architektonischen Befund deuten, so ergibt sich daraus, dass dieses Wasser einer rituellen Reinigung gedient haben kann. Ein weiterer Beleg für die Heiligtumsdiskussion ist in hufeisenförmiger Stein mit Calcitpodest im Zentrum des langrechteckigen Gebäudes, der als Altarstein angesprochen wird. Rundplastisch ließen sich ibexartige Figuren, sowie deren Teile, wie das Gehörn aus Locus 407, finden, die Ludwig D. Morenz im Rahmen einer möglichen Tempeldekoration deutet. Der Fundkontext, zusammen mit Schilf und Gras lässt ihn schlussfolgern, dass es sich um Dachbekrönungen, ähnlich dem vermuteten bronzenen Rinderhornschmuck des Tempels in Susa, gehandelt haben kann.
Der Beginn ähnlicher Verzierungselemente im Orient lässt sich bereits im 10. Jahrtausend v. u. Z. in Murebit, wenn auch ohne direkten Bezug zur Levante, in Form von Auerochsengehörn an den Wänden, fassen. Diese Tradition hat sich somit in ihrer regionalen Eigenart auch in En Gedi manifestiert.
Von der generellen Lage des Komplexes En Gedi ist, in Bezug auf die Heiligtumsfrage, auffällig, dass keine zugehörige Siedlung auffindbar ist. Die nächste Ansiedlung des Chalkolithikums wäre Nahal Mishmar, wobei dieser Fundort zeitlich nicht mit En Gedi korrespondiert. Eine kulturelle Verbindung beider Orte ist jedoch nicht auszuschließen, gerade, da hier die Ikonographie der Funde eine klare Sprache spricht: Das zentrale Motiv bildet der Steinbock, wie auch auf den Kronen und Zeptern Nahal Mishmars. Ja, selbst der Name „En Gedi“ verkündet eine Verbindung, da dieser Name „Quelle des Böckleins“ bedeutet. Ludwig D. Morenz schließt aus der Verbindung dieser Elemente eine Bedeutung im Kontext von Fruchtbarkeit und Leben, ja leitet gar eine bockgestaltige mögliche Gottheit mit anthropomorphen Gesicht daraus ab, auf die ebensolche Zuordnungen zutreffen.




Quellen:


Y. Aharoni (Hrsg.), Beer-Sheba I, Excavations at Tel Beer-Sheba, 1969-1971 Seasons, Tel Aviv 1973, S. 11


J. M. Golden, Dawn Of The Metal Age: Technology and Society during the Levantine Chalcolithic, London 2010, S. 28


Morenz, L. D., Zum Aussehen eines chalkolithischen „kanaanäischen“ Heiligtums nach zeitrgenössischer Darstellung im archäologischen Befund, In: Morenz, L. D., Bosshard-Nepustil, E. (Hrsg.), Herrscherpräsentation und Kulturkontakte, Ägypten – Levante – Mesopotamien, Acht Fallstudien, Münster 2003, S. 12, 13


W. Zwickel, Das Heilige Land: Geschichte und Archäologie, München 2009, S. 49 f.


Link: http://www.bibleplaces.com/images12/En-Gedi-Chalcolithic-temple-from-west,-tb100106532-bibleplaces.jpg





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