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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Sonntag, 11. Mai 2014

Schiffsmodelle im Mittleren Reich: Von Sicherung bis Verzicht

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In keiner Zeit der ägyptischen Geschichte war das Dienerfigurenreportoire so ausgeprägt, wie im Mittleren Reich und so verwundert es nicht, dass der Großteil der sich derzeit in Museen befindlichen Schiffsmodelle aus ebendieser Zeit, der Blüte und Erweiterung Kemets bis in das goldreiche Nubien, stammen. Über zwei Dynastien, die 11. und 12. Dynastie, lässt sich die weiteste Verbreitung der Schifssmodelle, unter zeitgleicher Ersetzung zahlreicher Motive aus der Grabausmalung, besonders deutlich fassen. Die 11. Dynastie begann als Zeit nach einer Krise, als Zeit des wiedervereinigten Ägypten, nach der sich die Menschen nach Sicherheit sehnten. Diese Sicherheit musste selbstverständlich auch im Nachleben umso stärker hervotreten. Eine dauerhafte Kultversorgung kam durch die Modelle von Opferträgerinnen, Kornspeichern und natürlich versorgenden kleinformatigen Booten in die Schachtgräber, die ein oder andere verborgene Kammer an königlichen Gängen oder in der privaten Mastaba als Sonderfall. Es reichte nicht mehr eine einzige Figur, um das Leben im Jenseits zu erleichtern. Nein, es waren ganze Werkstätten, die das Nachleben für Ober- und Mittelschicht magisch versüßen sollten. All das Versäumte in der schweren Entbehrungen der ersten Zwischenzeit konnte nun aufgeholt werden: Ob die Pilgerfahrt nach Abydos, Reise oder Freizeit; es fehlte nicht an Einfallsreichtum. Demokratisierung zog ein. Viele einstige Grenzen durften nun überschritten werden. Durch das Schiffsmodell rückte der private Kult viel näher an den Königlichen. Und die Könige sicherten sich ab. Der Sohn wurde zum Mitregent und es wurden Expditionen unternommen, Festungen errichtet. Ein Puzzleteil passte in das Andere und so wurde die 12. Dynastie zur Hochzeit der Kunst des Mittleren Reiches, die vielfältigste Zeit des Schiffsmodells, deren Ende eine neue kultische Hochzeit besiegelte. Die Kunstfertigkeit wandte sich ab von den Schiffsmodellen, hin zu den abydenischen Werken des nun siegreichen Osiriskultes. Entsagung des Weltlichen wurde wieder wichtiger als die Absicherung und so verblasste langsam die Bedeutung der Schiffsmodelle, deren Dasein sich jedoch noch lange fortsetzen sollte. Als noch beständiger, jedoch von geringerer Häufigkeit, zeigten sich auch die geschmückten Kultbarken für die unzähligen Götterfeste des Mittleren Reiches und darüber hinaus. Parellel zu den Schiffsmodellen im Grab, gab es bei den sogenannten „Sonnenbarken“ ebenfalls zwei: Die Tag- und die Nachtbarke in ihrer Funktion als Träger der Sonne, des Sonnengottes, dem sich magisch Eliten des Mittleren Reiches anzuschließen versuchten. Genau diese Höherstellung und besondere Befähigung im Nachleben hatten alle Schiffsmodelle als Zweck gemein.





Quellen: 
Aldred, C., Middle Kingdom Art in Ancient Egypt, 2300 – 1590 BC, London 1950, S. 8 ff
Freydank, R., Schetelich, T., Der Alte Orient in Stichworten, Leipzig 1978, S. 375 f
Tooley, A. M. J., Middle Kingdom Burial Customs, A Study Of Wooden Models And Related Material, Volume I, Haverfordwest 1989, S. 18 ff, 33 ff
Vinson, S., Boats (Use of), In: Wendrich, W. (Hrsg.), UCLA Encyclopedia of Egyptology, Los Angeles 2013, S. 5

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