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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Montag, 10. März 2014

Typologie und Aufbau der Schiffsmodelle im Mittleren Reich

Reiseschiff mit Ruderern, 12. Dynastie, Theben, Grab des Meketre, Länge: 128 cm, Museumsnummer: 20.3.1, The Metropolitan Museum of Art Chicago


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Im Mittleren Reich wurden zwei Haupttypen von Bootsmodellen dargestellt: Dies waren zum Einen die Papyrusboote und zum Anderen die Holzboote, welche wesentlich häufiger in der Beigabensitte erschienen.
Nicht nur aus den Modellen, sondern auch aus der Grabausmalung im Mittleren Reich lassen sich beide Bootstypen belegen. Im Flachbild findet sich, laut Luise Klebs, der Bau eines Papyrusbootes beschrieben: Dabei binden Männer Papyrusstengel mit Stricken zusammen. Sie treten in die Schlingen, um anschließend die Knoten festzuziehen. Papyrusboote wurden keineswegs hohl gebaut, sondern bestanden aus dicht zusammengeschnürten Papyrusbündeln, auf deren abgeflachter Oberseite die Mannschaft stand. Im Schiffsmodell des Mittleren Reiches wurden Papyrusboote nicht in Papyrusstengeln, sondern aus Holz angefertigt und anschließend in einem typisch blassgrünem Ton bemalt, wobei sich teilweise sogar die einzelnen Bündel wiedererkennen lassen.
Ähnlich, wie die Papyrusboote im Schiffsmodell des Mittleren Reiches, so wurden auch Holzboote für das Dienerfigurenreportoire meist aus einem Stück massiven Holzes hergestellt.
Aus Funden von Holzbooten, wie bei der bereits erwähnten Grabanlage Sesostris III. in Dahschur, sowie aus Flachbildbelegen, zeigt sich, dass für die Nilfahrt geeignete Holzschiffe aus einzelnen Brettern staffelförmig mit Holznägeln verzapft worden sind. Im unteren Bereich der Schiffe verwendete man zuerst kurze Holzbretter, mit zunehmenden Aufbau des Schiffes dann Längere. Dieser Aufbau der alltäglich genutzen großen Schiffe im alten Ägypten lässt sich an den Modellen nicht mehr nachvollziehen, da man hierbei die Darstellung vereinfachte. Nur der niedrige Schiffsrand, sowie das Innengerüst, als auch die Bretter des Decks wurden gelegentlich angedeutet. Dem Schiffsmodell ähnlich waren nur kleinere Holzboote aus dem alltäglichen Gebrauch zu Lebzeiten. Diese wurden mitunter aus einem einzigen Baum hergestellt.
Die verwendeten Hölzer kamen aus dem In- und Ausland. So finden sich Modelle aus dem einheimischen Holz der Symkorenfeige, Nil- oder Dornakazie, Nil-Tamariske und dem Christdorn. Die beliebtesten ausländischen Hölzer waren die Libanonzeder, die zizilische Tanne, afrikanisches Ebenholz, sowie die Hopfenbuche.
Vom Aufbau, der aus den genannten Holzarten gefertigten Schiffsmodelle, kann man zwischen den Ruderbooten und Segelschiffen unterscheiden.
Dabei tauchte im Grab jeweils ein Bootsmodell mit Segel auf, das das nach Süden, vom ägyptischen Nordwind angetriebene, Schiff darstellt, sowie eines bei der Fahrt flussabwärts, oftmals mit einem eingeklappten Segelmast auf Gabelstangen und bei der Arbeit befindlichen Ruderern.6 Eingeklappte Segel lagen gelegentlich sogar auf der, meist in der hinteren Mitte des Schiffes zu findenden, Kajüte auf. Als Sonderfall gab es auch Schiffe ohne Segel und Ruder, die entweder unvollständig erhalten, vereinfacht worden sind, oder eine Götterbarke für den Kultgebrauch darstellen. Ein sehr wichtiges Element der Fortbewegung, das selbst bei dieser besondern Form eine Rolle spielt, ist das große Steuerruder am Heck. Im Mittleren Reich weist dieses Element oftmals, im Vergleich zum Alten Reich, die neue Technik einer speziellen Hebelvorrichtung auf. Zusätzlich gab es als Fortbewegungsmittel kleinerer Sumpfboote Staken und Stangen. Diese wurden jedoch im Mittleren Reich im Modell nur selten dargestellt, da die Flussfahrt hier eine höhere und vielfältigere Bedeutung für den Grabkontext hatte, bei der die Staken eher zum Ab- und Anlegen der Boote dienten. Die Kajüte ist bei den Bootsmodellen, neben dem Bootsrumpf mit formenreichem Bug und Heck, das vielfältigste Teil des Schiffes, natürlich mit großer Variation in Ausarbeitung, Schmuck und Bemalung. Es gibt dabei Tonnengewölbte aus Flechtwerk, Leder oder Fellen, sowie ein aus Gabelstangen oder sogar schmalen Holzsäulen bestehendes Gestell mit einem aufgesetzten Dach als Sonnenschutz. Dieses immitiert geschwungene, flache oder leicht gewölbte Holzdächer, sowie Teppichbehänge. Auffällig bleibt weiterhin, dass die Kajüte im Modell, wie auch in der alltäglichen Verwendungspraxis, gänzlich weggelassen werden konnte, da es sich wohl hierbei um eine eher luxuriöse Ausstattung handelte. Neben der, nun genannten, mehr oder minder festen Bootsausstattung, können im Kontext zur Besatzung noch weitere bewegliche Gegenstände auf dem Deck befinden. Die wären zum Beispiel Hocker für die Ruderer, Kisten, Gefäße und Waren, eine Liege für die Mumie, sowie eine Sänfte im Heckteil des Schiffes im Zusammenhang mit dem Grabherrn.
Im Mittleren Reich trat dieser erstmalig in der Geschichte Ägyptens im Dienerfigurenreportoire auf und hierbei vor allem im Schiffsmodell. In anderen Modelltypen blieb diese Form der Darstellung weiterhin, geradezu tabuisiert, aus. Einen Ausnahmefall stellt dabei nur die Viehvorführung als Dienerfigur dar. Die hölzernen Mannschaftsfiguren, zu denen auch der Grabherr als Sonderfigur zählt, wurden oftmals mit Zapflöchern und Zapfen an der Unterseite der Figuren auf dem Deck angebracht, um deren stabile Anbringung zu gewährleisten.
Manche Mannschaften wurden jedoch auch nur lose aufgestellt oder, mit Hilfe von Harz, angeklebt. Die Figuren konnten im Mittleren Reich ganz unterschiedliche Qualitäten annehmen. Von Personen mit groben, eckigen, ja klotzartigen Zügen, bis hin zu präzisester kleinteiliger Bearbeitung und Bemalung kam alles vor. Dies lässt vermuten, dass die Schiffsmodelle und deren Mannschaften in erster Linie funktioneller Natur waren und deren künstlerische Ausarbeitung nicht unbedingt nötig und somit auch kein Regelfall war.
Die Schiffsbesatzung setzt sich zumeist aus vier Personentypen zusammen: Dem Steuermann, den Matrosen, dem Zeichengeber, sowie den Bediensteten. Am Häufigsten tauchen Bootsbesatzungen auf, die sich aus Zeichengeber, Matrosen und Steuermann zusammensetzen. Im Mittleren Reich kamen ganze Gruppen von Bediensteten, beispielsweise aus Küchen und Werkstätten, mit ins Bootsmodell, wie sie auch als gesonderte Dienerfiguren auf Platte oder in voll nachgebildeten Werksgebäuden neben den Schiffsmodellen mit ins Grab kommen konnten. Deren Darstellung auf den Modellbooten ersparte dabei natürlich die Notwendigkeit einer gesonderten Dienerfigurengruppe. Doch nicht nur Arbeitende, sondern auch Trauernden kamen, oft als hockende männliche Holzfiguren oder gar als, ebenso für das Mittlere Reich neuartige, miniaturhafte Würfelhocker in die Schiffsmodelle. Weiterhin und besonders im Bereich von Meir konnte es auch Soldatengruppen an Bord geben. Seltener dagegen war die Darstellung von Priestern und Kulthandlungen.
Neben dieser, meist unindividualisierten Besatzung, trat, wie bereits beschrieben, der Grabherr im Schiffsmodell als große Neuerung des Mittleren Reiches auf. Doch nicht nur als Lebender, sondern, auch im Kontext mit den, eben genannten, Priesterfiguren erschien er in Form einer Mumie. Allerdings tauchte der Grabherr als Thronender wesentlich häufiger auf. Es konnte sogar dessen Familie mit Frau und anderen weiblichen Figuren vorkommen, was jedoch, der alleinigen Darstellung des Grabherrn gegenübergestellt, nur selten der Fall war. Zuordnungen der individualisierten Personen im Modell kann man entweder aus der Malerei in Typologie und Beschriftung im Grab ableiten oder die kleinen Figuren sind sogar in seltenen Fällen im Modell selbst beschriftet. Der Großteil der Dargestellten, ob individualisiert oder nicht, bestand dabei weiterhin aus Männern.

Quellen:

Breasted, J. H., Egyptian Servant Statues, Washington 1948, S. 74 ff.

Dürring, N., Materialen zum Schiffbau in Ägypten, Berlin 1995, S. 53 f, 56 ff, 115 ff, 157, 159, 161.

Klebs, L., Die Reliefs und Malereien des Mittleren Reiches (VII. - XVII. Dynastie ca 2477- 1580 v. Chr.), Heidelberg 1922, S. 136 - 140.

Tooley, A. M. J., Egyptian Models and Scenes, Haverfordwest 1995, S. 29.



Bildquelle:
http://www.metmuseum.org/collections/search-the-collections/544214

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