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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Dienstag, 19. November 2013

Heide, Hügel und Gräber: Die kulturelle Aura der Schnurkeramiker

Wieder gibt es eine Fortsetzung meiner archäologischen Abhandlung "Heide, Hügel und Gräber"... es geht tiefer in die Materie mit jeder Menge Wissen über die kulturelle Ausstrahlung, sowie die Einflüsse auf die Schnurkeramikkultur. 

Um alle Einflüsse anderer Kulturen auf die Schnurkeramik stärker herauszustellen, soll nun ein Abriss der angrenzenden Gruppen, beginnend mit den Anfängen, folgen: 
In ganz Mitteldeutschland, begrenzt vom Harzvorland, dem Thüringer Becken, dem Leipziger Tiefland und der Altmark hatte sich um etwa 4300 BC die Rössener Kultur, mit ihren furchigen, gestochenen und gestempelten Inkrustationen auf grauschwarzem bis braunem Grund, angesiedelt. Doch schnell zerfiel diese in zahlreiche regionale Gruppen. Nicht nur im Mittelelbe-Saale-Gebiet, sondern in ganz Europa ging die Zersplitterung und Regionalisierung weiter voran. Erst die Schnurkeramiker bildeten ab 2900 bis 2200 vor unserer Zeitrechnung wieder eine relativ einheitliche Kulturdecke. Im hohen Norden breitete sich von 4200 bis 2800 BC die Trichterbecherkultur aus und drang bis Nordosteuropa vor. So kam es, laut J. Müller, auch zu Berührungen und Kontakten beider Kulturen. In Mitteldeutschland ging den Schnurkeramikern eine regionale Form der Trichterbecherkultur voraus: Die Baalberger Kultur mit einer Datierung von 4200 bis 3100 vor unserer Zeitrechnung, die schließlich die erste Besiedlung der Dölauer Heide einleitete. In die Bevölkerungsschichten der Baalberger- und Trichterbecherkultur sickerten zu Anfang des 3. Jahrtausends Gruppen der Einzelgrabkultur ein und bildeten nach und nach eine dichte Mischbevölkerung. Darauf folgend und teilweise während der schnurkeramischen Besiedlung gab es in Mitteldeutschland ab 3100 bis etwa 2700 vor unserer Zeitrechnung eine für die Dölauer Heide bedeutende Regionalkultur auf diesem Gebiet: Die Walternienburg-Bernburger Kultur, die sich vor allem durch ihre Totenhütten ausgezeichnet hat. Doch ähnlich, wie in den Hügelgräbern der Heide, gab es auch in dieser Kultur Steinkistengräber. Die Ursprünge sind diesmal in Ablegern der Kugelamphorenkultur zu suchen. Regional treten in Mitteldeutschland um etwa 2800 v. u. Z. Mit der Einzelgrabkultur eine Anzahl von Regionalgruppen auf: So zum Beispiel, die Schönfelder Kultur mit ihrer stcihverzierten Keramik und die Mansfelder Gruppe, die sich stark von den anderen Gruppen dieser Zeit unterscheiden, was natürlich auch Konfliktpotential mit sich brachte. Dagegen hatte über die Mitte Deutschlands hinausbesonders die, den Schnurkeramikern so ähnliche, Glockenbecherkultur maßgeblichen Einfluss. Vom Anfang des 3. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung bis zu dessen Ende breitete sich diese sich klar von den Schnurkeramikern abgrenzende Kultur aus. Doch gerade im Bestattungswesen blieben zahlreiche Gemeinsamkeiten: So werden Geschlechter differenziert und als Einzelbestattungen mit einer Beigabe an Trinkgeschirr und Waffen beigesetzt. Unterschiede, die auf bewusste Abgrenzung hindeuten sind jedoch in der Ausrichtung der Toten zu finden. Die Bevölkerung der Glockenbecherkultur bestattet bevorzugt in Nord-Süd oder Süd-Nord-Ausrichtung, währenden Westen und Osten für den Totenkult der Schnurkeramiker bedeutend waren. Auch die Trinkgefäße haben nun eine neu proportionierte Glockenform und die Verzierungen werden an anderen Stellen angebracht. Bei der Waffenniederlegung wechseln Axt und Feuersteinmesser zu Bogen, Pfeilen und Armschützern, die nun gesellschaftliche Statussymbole werden. Trotz der Verwandtschaft beider Kulturgruppen wird gesellschaftlich und spirituell jeweils ein Gegenpol angestrebt. Dennoch gibt es deutliche Hinweise auf Kulturvermischungen, gerade in sogenannten Fundgesellschaftungen beider Keramik, die bei einer zeitlichen Parallelität von über 500 Jahren nicht verwundert. 
Gegen Ende beider Kulturen setzt die Frühbronzezeit ein und bringt wiederum einen kulturellen Wandel mit sich. Ab etwa 2300 vor unserer Zeitrechnung entsteht in Mitteleuropa ein Handelsnetz für Kupfer, das natürlich an ältere Handelsrouten anknüpft. Im mitteldeutschen Raum kommt die Aunjetitzer Kultur auf, während in Süddeutschland die Einzelgrabkultur weitestgehend durch die Straubinger Kultur ersetzt wird. Schnurkeramik war in Mitteldeutschland noch bis etwa 2000 v. u. Z. In Gebrauch, wie Fundvergesellschaftungen gezeigt haben. So erwachsen aus den Wurzeln der Bronzezeit unter den mitteldeutschen Schnurkeramikern und damit auch in der Dölauer Heide die Grundlagen für die sogenannten Aunjetitzer „Fürstengräber“, die beispielsweise in Helmsdorf und Leubingen zu finden sind. 
Alle soeben beschriebenen Kulturübergänge waren keineswegs Einschnitte, sondern vielmehr ein gegenseitiges Aufeinanderaufbauen, das in der Bronzezeit mit ihren technischen Fortschritten mündet.
Erläuterungen:  

Schnurkeramiker =  eine archäologische Kultur (also kein "Volk" oder dergleichen; vielmehr eine Großgruppe von Menschen mit ähnlichen kulturellen Hinterlassenschaften), die vor allem durch die Verwendung von gut datierbaren Tongefäßen mit Schnurverzierungen (die durch das Eindrücken von echten Seilen und Schnüren in den noch feuchten Ton entstehen) definiert werden
Dabei gibt es starke Überschneidungen mit der sogenannten Einzelgrabkultur, was die Vermutung zulässt, dass es sich bei Schnurkeramiker + Einzelgrabkultur um einen Ethnos handeln könnte.




Quellen:

Furholt, M.: Absolutchronologie und die Entstehung der Schnurkeramik, 2006, S. 20 - 26.

Hecht, D.: Das schnurkeramische Siedlungswesen im südlichen Mitteleuropa, Eine Studie zu einer vernachlässgten Fundgattung im Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit, Heidelberg 2007, S. 6 -  12.

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