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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Freitag, 27. September 2013

Heide, Hügel und Gräber



Zu einer der besonderen archäologischen Landmarken Mitteldeutschlands gehört die ab 1933 teilweise ergrabene, jedoch schon vor ca. 5,5 Jahrtausenden besiedelte, jungsteinzeitliche Höhensiedlung Dölauer Heide. Diese befindet sich im, westlich der Stadt Halle (Saale) gelegenen, Naturschutzgebiet und umfasst den Langen Berg, die Bischofswiese, den Tonberg, sowie den Schwarzen Berg, die allesamt zwischen 20 und 30 Metern aus der umliegenden bewaldeten Ebene herausragen. Die Ränder und Spitzen dieses Hochplateaus sind mit einer Reihe von Hügelgräbern bedeckt, die der Ausgräber F. Stolberg bereits 1941 zu einem großen Teil erfasste.
In der frühen Erforschung lagen zuallererst 36 der heute bekannten Grabhügel im Augenmerk Stolbergs, dessen Zuordnung bis heute, wenn auch ergänzt, verwendet wird. Ursprünglich war nicht ganz klar, ob es sich hier nun tatsächlich um Gräber handelt, weshalb man zu Anfang nur von grabhügelähnlichen Erhebungen sprach. Doch was macht einen Grabhügel aus?
Der Typus des Hügelgrabes taucht im Neolithikum ab etwa 4100 vor unserer Zeitrechnung erstmalig auf und wird in den darauf folgenden Jahrtausenden zu einer weltweit verbreiteten Sitte. Dabei werden Flach- oder Urnengräber mit einem Erdhügel überhöht. Im Inneren befinden sich meist ein oder mehrere Bestattungen, wobei diese oft Nachbestattungen späterer Zeiten waren. In der Dölauer Heide sind diese in massive Steinkisten eingebettet worden. Ein Grabhügel ist eine große Gemeinschaftsleistung, die annehmen lässt, dass sich eine herausragende Persönlichkeit bestatten ließ und auch Gebietsansprüche durch dieses naturnahe Monument geltend gemacht wurden, auf dass die Ahnen von einem solchen erhabenen Standort, wie die, auf dem dieser Gräbertypus errichtet worden ist, über die Lebenden wachen möge. Religiöse Aspekte spielen dabei natürlich auch eine Rolle, besonders in Bezug auf mögliche Feinde und konkurrierende Gruppen, die durch die Möglichkeit des Zorns der gegnerischen Ahnen und deren Auswirkung auf das eigene, noch kommende, jenseitige Leben abgeschreckt worden sein könnten. In dem Kontext kann man auch zahlreiche spätere Traditionen setzen, in denen besonders heilige Gebäude (z.B. Klosterbau an der Stadtmauer), Objekte und Landmarken gezielt an territoriale Grenzen angebracht worden sind, um Feinden ein gewalttätiges Eindringen zu erschweren: Denn der Zorn der Götter, oder aber im christlichen Mittelalter, des einen "Gottes" warteten auf die sündhaften Übertreter dieser religiösen Normen!
So erklärt sich auch die Errichtung von Grabhügeln direkt an der Palisadenbegrenzung der Höhensiedlung Dölauer Heide etwas mehr als eine sinnvolle Bestattungstradition, die hier gleich mehrere aufeinander folgende Kulturen fortführten. Besonders deutlich treten hierbei die Baalberger und die Bernburger Kultur auf, denen die Hauptnutzung der eigentlichen Siedlung zu Eigen war.

Hier geht es zum Fortsetzungsartikel "Von den Schnurkeramikern".


Detail an Grab 17, Dölauer Heide, fotografiert und gefunden von Askara Wyrd




Bilder:
  • Grab 17, Dölauer Heide, Halle, Foto von Poeta Immortalis
  • Grab 17, Detail, Foto von Askara Wyrd



Quellen:


Behrens, H., Schröter, E.: Siedlungen und Gräber der Trichterbecherkultur und Schnurkeramik bei Halle (Saale), Berlin 1980, S. 9.
Meller, H. (Hrsg.): Routen der Archäologie, Halle und der Saalkreis, Halle 2006, S. 6 - 10, 86, 91.
Schulze-Thulin, B.: Großsteingräber und Menhire, Halle 2011, S. 92.

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