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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Montag, 13. Mai 2013

Sprechende Bilder: Er ist lang zuvor auferstanden


Die meisten Menschen kennen sicherlich solche sinn- und zwecklosen Legitimierungsversuche, die gerade christliche Extremisten und Missionare gerne von sich geben: "Er ist auferstanden." bzw. auf Englisch "He is risen.". Diese Worte sollen Jesus Christus und damit das Christentum elitär und besonders aussehen lassen, ja ein "Wunder" implizieren. Doch es ist vielmehr verwunderlich, wie man nur so billig eine Vielzahl vergangener paganer Großkulte abkupfern kann und dann noch dreist behauptet, es wäre die eigene Erfindung oder würde die eigene Religion zu etwas Besonderen machen. (Wobei es nun noch erschwerend hinzukommt, dass Christen auch oft absichtlich vom Wissen über die Hintergründe und alles Heidnische fern und damit dumm gehalten werden. Gehen wir daher also erstmal davon aus, dass sie es schlicht nicht besser wissen.) Als ob sich irgendjemand etwas davon kaufen könnte, dass Jesus angeblich zu einem lebenden Toten geworden ist, was zudem auch im archäologischen Fundmaterial alles andere als eine Seltenheit ist (= Wiedergängerbestattungen, die durchaus ebenso kritisch zu betrachten sind). Die Nutznießer sind  damals wie heute Kirchenadel und Obrigkeiten des Christentums. So können sie gewissen- und  schamlos leichtgläubige Seelen ausbeuten und andernorts die Rohstoffe der zwangskonvertierten Bevölkerung verschachern, wobei sie Hand in Hand mit Großkonzernen arbeiten. Mit Feuer und Schwert, heute mehr mit Feuer und Geld werden Einheimische unberührter, freier Kulturen vertrieben, zerschlagen und unterworfen und wieder neue Mythologie verschluckt... Denn Wahrheiten verschwinen nicht. Sie können nur umgedeutet und mit neuen Namen, neuen Gesichtern übermalt werden. Doch die Farbe bröckelt...
Die Liste wiederauferstandener Götter, Halbgötter, Propheten und Helden ist schier endlos und die Meisten von ihnen sind uns heute gänzlich unbekannt. Ob Ra, Persephone, Adonis, oder Inanna... Alle haben Sie Kraft und Mut gehabt den Tod zu durchleben und zurückzukehren, ja auch den Menschen und vor allem dem Gleichgewicht der Kräfte (Equilibrium) zuliebe.
Jedoch soll der heute Bekannteste unter Ihnen hier einmal stellvertretend für diese Unzahl hervortreten: Der ägyptische Unterweltherrscher und Totenrichter Osiris.
Göttliche Vorbilder, wie er, haben jahrtausendelang großen Menschenmassen nicht nur Mut und Hoffnung die Lebenszyklen und Prüfungen erfolgreich durchzustehen, sondern auch Selbstbestimmung, aktive Spiritualität mit direktem Kontakt zum Sakralen und Andersweltlichen, Kreativität, Geistesschärfe, Festigkeit, Weisheit und tiefere Einsichten in die verborgenen Belange der Welten verliehen. Es erleben hier nicht verblasste Mythenfiguren außergewöhnliche Ereignisse und Magie, sondern ein Jeder kann selbst diese Erfahrung machen! Damit kann keines der vielen Christentümer jemals mithalten.

Der Osiriskult findet schon seit über 4500 Jahren statt und ist damit schon mehr als doppelt so alt, wie die Jesusverehrung, deren mythologische Abwandlung als Menschwerdung "Gottes" erst eine späte, verzweifelte Erfindung war, um einen Propheten unter vielen hervorzuheben und somit wieder mal ein Monopol an Macht zu schaffen... alles auf Kosten einer Figur, um die ephesisch-paulinischer Erfindungsreichtum und unzählige eifrige, aber nicht sehr gelehrte Schreiberlinge eine Geschichte sponnen, die allein durch Ihr wiederholtes Erzählen nun zur künstlich kreierten Realität in den Köpfen geworden ist. Historisch ist nichts von alledem wahr und der größte Teil sogar unmöglich.
Die Osirisgeschichte dagegen, wenn auch viel älter, ist in großen Teilen erhalten. Als Weltenkönig erlöste Osiris die Menschen aus jeder Not und unterwies sie landwirtschaftlich zu arbeiten. Er war somit sozusagen auch einer der Götter der Neolithischen Revolution, des Übergangs von Jagdbeuterkulturen zu Ackerbau und Viehzucht. Ja Osiris machte seine Verehrer als fruchtbarer Getreidegott zu den Herren der damaligen Welt, brachte neue kulturelle Äußerungen und Reichtum mit sich! Er hat somit das Land Kemet und unsere heutige Welt entscheidend vorgeprägt, etwas das meist verdrängt und vergessen bleibt...
Doch blieb es nicht ewig bei dem Frieden und Gleichgewicht. In seinem Bruder Seth entbrannte Neid und Wut über den Erfolg des Osiris, wobei er doch hätte Herrscher der Welt sein können. So brach er das Gleichgewicht, das System von Recht, Ordnung und Moral, um den regierenden Herrscher zu meucheln. Die Leiche des Osirs warf er anschließend in den Nil. Die beiden polyamoren Gattinnen des Himmelskönigs, Isis und Nephtys, fanden ihn dort treiben, borgen seine Leiche und trauerten um den verlorenen Liebhaber und gerechten Herrscher. Selbst diese Ehre wollte Seth seinem Bruder nicht zukommen lassen, zerhackte dessen Leichnam und verteilte ihn im ganzen Land. Isis suchte  diese jedoch emsig und bestatte sie an den Fundorten. So entstanden zahlreiche Reliquien, wovon sich, unter anderen auch die christliche Reliquienverehrung ableitet.
Als alle Teile im Feinstofflichen wieder beisammen waren, wurde Osiris wiederbelebt und aufgerichtet: He is risen! Da aber eine weitere Regentschaft als Erdenkönig für ihn gegen die natürlichen Gesetzmäßigkeiten und die Zyklen des Lebens, ja Ma'at verstoßen würde, so wurde er von da an Herrscher der Unterwelt Duat. In diesem Reich zeugte er mit Isis den neuen solaren Herrscher der Welt: Horus, den Sonnenfalken. Und wieder fällt auf: Das mit dem Vater und Sohn kennt man doch...
Seth wird zwar oftmals sehr düster-dualistisch und als eines der Vorbilder des christlichen "Teufels" gesehen, ist aber keineswegs so einzuordnen. Nichts davon kommt dem nahe, was der Osirisbruder nun tatsächlich ist: Als Beschützer und Mitkämpfer des Ra gegen Apep, vielverehrter Protektor gegen Anti-Ma'at-Kräfte und schadbringende Dämonen, Herr der List, sowie Unterstützer in Krieg und unehrenhaftem Disput, ist der ungewöhnlich tiergestaltete Gott, wenn dann freundlich bis neutral mit Hang zu Rangeleien um Stand und Status zu sehen. Raserei und raubtierhafter Jagdtrieb des Gottes der Wüstenstürme sind ausgezeichnete Eigenschaften für Jäger und Sammlerkulturen, die hier vor der Sesshaftwerdung tätig waren. Es kämpfen also hier Osiris bzw. Horus und Seth jeweils als Stellvertreter zweier großer Bevölkerungsgruppen, die sich erst mit dem Neolithikum voneinander abgetrennt haben, gegeneinander: Die wilden, naturverbundenen Nomaden, gegen die sesshaften, kulturell hochwertig ausgeprägten Oasen- und Nilbewohner des Landes Kemet. Solche Konflikte haben noch über Mesopotamien bis ins europäische frühe Mittelalter und gar bis zur christlichen Eroberung Nordamerikas und schließlich heute angedauert.
Und da posaunt ein Christ mit Tackerlächeln und Schmerzensseele: "Er ist auferstanden!"... Viel zu spät aufgestanden! Nichts Neues... nur schlechtes, schmutziges Recycling mit Inhaltsstofflügen, wie wir sie sonst nur von Lasagne, hach... eigentlich allen Lebensmitteln kennen, hinter denen wirtschaftliche Interessen stecken. Und die stecken auch hinter dieser witzlosen Figur des Jesus... als Plastefigürchen... bald bestimmt auch in jedem 8. Ü-Ei...


Mehr zum Thema:
"Inannas Descent To The Netherworld" In: Pritchard, J. B., Ancient Near Eastern Texts: Relating To The Old Testament, Princeton 1950, S. 52 ff.


NEU! Das Shirt zum Artikel:



Quellen:

Pritchard, J. B., Ancient Near Eastern Texts: Relating To The Old Testament, Princeton 1950, S. 52 ff.
Freydank, Reineke, Schetelich, u.a., Der Alte Orient in Stichworten, Leipzig 1978, S. 329 f. 


http://www.ahriman.com/buecher/mythenschmied.htm - 13.05.13
http://www.kakanien.ac.at/beitr/vamp/HSchaub1.pdf - 13.05.13
http://www.wz-newsline.de/home/panorama/religion-jesus-und-die-aufersteher-1.123229 - 13.05.13
http://verbotenesarchiv.wordpress.com/2012/09/27/paulus-der-erfinder-des-christentums/  - 13.05.13

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