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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Donnerstag, 14. März 2013

Im Lichte betrachtet: "Athenaheiligtum von Priene" von Arndt Hennemeyer


Wieder beginnt eine neue Kategorie bei NebelALLraunen, in der es nun um gesamte Bücher gehen soll, die genau unter die Lupe genommen werden. Beginnen möchte ich hierbei mit dem Werk Arndt Hennemeyers "Athenaheiligtum von Priene, Die Nebenbauten - Altar, Halle und Propylon - und die bauliche Entwicklung des Heiligtums",  das derzeit das aktuellste Übersichtswerk zu diesem berühmten und großartigen Bauwerk bildet. Lasst euch etwas tiefer in die Forschungswelten der Archäologie entführen... oder genau gesagt seeeehr tief, bei speziell diesem Buch, das ich wirklich nur eingefleischten Archäologen und Architekten empfehle, da die Sprache des Buches leider niemand anders wirklich durchblicken lässt. Aber dafür gibt es ja Leute wie mich...

Priene war einst eine bedeutende ionische Seehandelsstadt Kleinasiens, deren Neugründung ab 350 v. Chr. nördlich von Milet und nahe der Stadt Ephesos auf der bergigen Halbinsel Mykale, direkt am Meer, entstand. Am, heraldisch und numismatisch für die planhafte Gründung bedeutenden, Mäander gelegen, verlandete die Küste bis heute weiter in das einstige Mittelmeer und bietet somit vom zentralen Athenaheiligtum einen weitschweifenden Blick in die flussgeschaffene Ebene.
Im hippodamischen Straßenraster von Priene spielte das erhöht gelegene Athenaheiligtum schon von Anfang an eine zentrale Rolle. Die Errichtung des Tempels wurde im Jahr 334 v. Chr. beschlossen und unter Leitung des Pytheos klassisch ausgeführt, wie Vitruv es überliefert. Weitere Datierungshinweise liefert eine Quaderinschrift der südlichen Ante, die erzählt, dass König Alexander diesen Tempel der Athena Polias weihte, der Schutzgöttin Prienes. Eine Vielzahl von weiteren Urkunden an den Anten geben die Heiligtums- und Stadtgeschichte wieder. Der Bau und Umbau der Nebengebäude, sowie die Erweiterung des Temenos verlief dabei am Zügigsten, wogegen der repräsentative Peripteros im typisch ionischen Baustil, aus finanziellen Schwierigkeiten, lange Zeit unvollendet blieb, was sich erst nach über 200 Jahren, im Späthellenismus, änderte. Späte Veränderungen am Heiligtum sind bis in die frühe römische Kaiserzeit nachvollziehbar.
Die, 1673 von englischen Kaufleuten wiederentdeckten, Ruinen stehen immer noch und ließen ab 1773 zahlreiche archäologische Untersuchungen zu, die bis heute weitergeführt werden. Dabei wurde die Frühzeit der Forschungserschließung im Athenaheiligtum vor allem durch die britischen Archäologen der Society of Dilettanti mit ihren Schriften Ionian Antiquities bestimmt. Besonders Richard Chandler, Nicolas Revett und R. P. Pullan spielten hierbei eine große Rolle. In den deutschen Grabungen schafften ab 1904 Carl Humann und Theodor Wiegand Maßstäbe im Fortschreiten der archäologischen Erkenntnisse um den Komplex. 1965 wurde die deutsche Forschungsarbeit von O. Bauer fortgeführt und im Laufe der Jahre erst an Wolfgang Muller-Wiener und schließlich in den Neunzigern an Wolf Koenigs übergeben. Arnd Hennemeyer erarbeitete in seinem detaillierten Werk „Athenaheiligtum von Priene“ eine extrem kleinteilige und ausführliche Aufarbeitung der gesamten archäologischen Beackerung des Themas, wobei nicht nur der Tempel selbst, sondern auch Altar, Halle und Propylon, sowie die Entwicklung des Temenos und seiner Bestandteile in steingenauer Präzision auseinandergenommen und mit Erklärungsvorschlägen besetzt werden.


Begriffe:

Ante: vorgezogene Seitenwand einer Cella
Athena Polias: Athena, Schutzgöttin der Stadt
Cella: von Mauern umschlossener heiliger Tempelraum mit Götterfigur/Götterbild
heraldisch: wappentlich, von Heraldik = Wappenkunde
numismatisch: münzkundlich, von Numismatik = Münzkunde
Peripteros: griechischer Tempelbau bestehend aus einer Cella, einer vor- und einer nachgestellten, durch Anten geöffneten Halle, wobei diese drei Bauteile von einer Säulenstellung (Pteron) umgeben sind
Temenos: Heiliger Bezirk, der einen Tempel einschließt



Quellen:
A. Hennemeyer, Athenaheiligtum von Priene, Die Nebenbauten - Altar, Halle und Propylon - und die bauliche Entwicklung des Heiligtums (München 2006).
Binding/Koepf, Bildwörterbuch der Architektur, Stuttgart 2005, S. 20, 101, 357, 460.

 

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