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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Freitag, 27. April 2012

Magische Instrumente: Die Glocke


Dieser NebelALLraunen-Artikel soll sich voll und ganz um (große und kleine, dicke und dünne) Glocken drehen. Zum Bedauern des ein oder anderen Schaulustigen geht es dabei um Instrumente zur musikalischen Tonerzeugung, soviel vornweg.

Musik ist magisch... Das hat sicherlich fast jeder Mensch schon einmal am eigenen Leib erfahren. Ob mit der Lieblings-CD zu Hause, in der Disco oder beim Lauschen der Klänge der Natur. Sie beeinflusst uns bewusst wie unterbewusst, verändert unser Empfinden, unsere Gefühle, beruhigt uns, oder lässt uns extatisch werden, berührt uns in der Seele, lässt uns schweben und fallen, heilt Seele und Körper... Doch genauso kann sie Abscheu, Unwohlsein, Schmerz, Aufgebrachtheit und zahlreiche weitere Leiden sowie missgünstige Zustände erzeugen. Ja, einzelne Töne können Gegenstände schwingen lassen, sogar bis zur Zerstörung, sofern diese identisch mit der Eigenschwingung eines relativ zerbrechlichen Objektes sind. Es entsteht Resonanz. Doch das sind erst die ganz offensichtlichen Wirkungen... Musik besteht nicht nur Schallwellen, sondern diese wiederum transportieren zahlreiche andere sehr viel kleinere Stoffe. Sie kann so auch als Träger der magisch wirksamen Feinstoffe dienen.
Im christlich geprägten Abendland ist kaum ein magisch wirksames Instrument so verbreitet wie die Glocke. Oft ohne, dass die meisten Menschen darauf achten, bestimmt der Glockenschlag spätestens stündlich die städtische und dörfliche Schallkulisse.
Glocken gehören, genauso wie Klangschalen, Gongs und ähnliche Instrumente zu den sogenannten „Befehlsinstrumenten“. Das heißt, sie sind dazu geeignet den Willen von Menschen und anderen Wesen zu brechen oder zu umgehen, bewusst, wie unterbewusst. Der Klang der Glocken vor der christlichen Messe befiehlt den Zuhörern in dire Kirche zu gehen, sofern ihr eigener Wille nicht stärker ist. Genauso kann er auch spezielle Geistwesen herbeibefehlen, was nicht nur christlich genutzt wird. Weiterhin dient das Stundenläuten, das Feiertagsläuten und das Geläut der Kühe und Ziegen, das sie um den Hals tragen, zur Vertreibung von Geistwesen. Die Weihung und feinstoffliche Ladung, sowie der genaue Klang der Glocken bestimmt dann gegen welche Geistwesen sich diese Austreibung richtet. Auch beim Exorzismus verschiedenster Kulturen spielt dieses Instrument eine relevante Rolle. Somit wurden all diese Glocken ursprünglich bewusst aus magisch-religiösen Gründen angebracht. Diese Wirkung wird durch die Große Zahl von durchdringenden Tönen erreicht, die eine Glocke erzeugt. Dabei ist meist nur ein winziger Bruchteil für uns hörbar.
Nun fällt sicherlich auf, dass solch eine Nutzung sehr gefährlich und diktatorisch wirkt. Das ist kein Zufall...Tatsächlich dient die Glocke im Christentum hauptsächlich dazu die paganen Götter und Geistwesen aus den neu christianisierten Gebieten zu vertreiben und alle Heiden zu unterwerfen. Erst in den länger christianisierten Gebieten kamen dann weitere Bedeutungen hinzu: Die Klangästhetik und die Pracht der Glocken wird nun zusätzlich zu einem kulturell-gesellschaftlichen Machtfaktor. Trotzdem steht weiterhin die Unterwerfung unter dem christlichen „Herrgott“ und dessen Huldigung im Vordergrund. Es ist ein agressiver Zwangsakt, der auch noch heute tagtäglich stattfindet und störend auf Menschen, (andere) Tiere und magische Rituale, gerade des schamanistischen Bereichs, wirken kann. Selbst die mythisch erwähnten Zwerge (sächsisch „Querxe“) konnten das dröhnende Glockenläuten irgendwann nicht mehr ertragen und  waren so gezwungen abzuwandern. Gerade in Sachsen und Niedersachsen sind derartige Sagen weit verbreitet. Doch auch die dort ebenfalls ansässigen Slawen (vor allem die Lusitzer) kannten das kleine Volk der „Ludki“ und sprachen von der christlichen Vertreibung dieser Wesen, die schworen zurück zu kommen, wenn keine Glocken mehr ertönen. Ob es sich hierbei nun um kleinere Menschenarten handelt, die das Land vor dem Homo Sapiens Sapiens bewohnten oder nur um deren Geister sei dabei dahingestellt. Von magischen und anthropologischen Gesichtspunkten aus wäre ein realer Hintergrund zu solchen Sagen durchaus denkbar. 
Wo wir schon einmal bei den Gedanken sind: Noch bis heute erinnern Gartenzwerge an die vertriebenen kleinen Bewohner, deren Aufstellung als Plastik in Renaissance und Barock an den Fürstenhöfen zur Mode wurde. In der Moderne stumpfte diese Erinnerung an die eigene mythologische Vergangenheit immer mehr zum Anzeichen eines kitschigen Spießbürgertums ab. Leider wird selten noch die negative Verbindung zwischen den Glocken und dem Verschwinden der Zwerge gesehen.
Doch warum wurden und werden die Glocken unbedingt in den Kirchtürmen angebracht und nicht im Kirchenschiff? 
Ganz einfach: Würde man sie im Kirchenschiff anbringen, dann wäre das Läuten nur im Inneren der Kirche und kaum darüber hinaus zu hören. Von einem sehr hohen Spielort aus dagegen ist das Gebiet, das der Schall abdeckt wesentlich größer und somit auch die banndende und befehlende Wirkung. Auch das Geläut der Rinder, die auf die Alm und ins Tal ziehen ist darauf angelegt möglichst alle Weiden frei von Krankheits- und Schadgeistern, sowie wilden Raubtieren zu halten, die einzelne Tiere reißen könnten. Dieser Brauch lässt sich bis zu den keltischen Helvetiern (auf dem Gebiet der heutigen Schweiz) zurückverfolgen, die jedoch eine ganz andere Weihung nutzen, um ihr Vieh zu schützen. Auch die mittelalterlichen Pestglocken dienten der Vertreibung der Kranheitsgeister. Ob diese nun erfolgreich waren oder nicht hängt eng damit zusammen wer oder was nun der eigentliche "Sender" und Träger der Krankheit war und wie gut diese Instrumente auf deren magische Bekämpfung abgestimmt waren. Trotz aller Zweifel, die bei solchen Methoden aufgeworfen werden, kann diese Praxis, korrekt ausgeführt, sicherlich zum Erfolg führen, obwohl es durchaus in dem Zusammenhang wirkungsvollere Maßnahmen gegeben hätte. Mit kleinen Schellen oder Glöckchen, die am Körper getragen werden, kann man auch heute noch Mensch und Tier vor bestimmten Schadgeistern schützen, sowie bei Nebel oder Dunkelheit einfach besser ausfindig machen. Rein profane und magische Aspekte spielen hierbei ganz eng zusammen, wie fast überall.
Darum ist es auch wichtig die Dinge in ihrer Gesamtheit zu betrachten. So kann man auch die Glocken trotz ihres christlichen Missbrauchs zum Schaden Vieler nicht komplett verdammen. Es wäre nur deutlich anzuraten die Verwendung im Alltag auf den kulturell wertvollen Aspekt zu beschränken. Schöne, sanfte Glockenspiele haben da nun nichts Verwerfliches, sofern das Ganze nicht für religiöse Befehle missbraucht wird. Stundenglocken sind heutzutage eigentlich völlig unnötig geworden, wo doch ganz andere Systeme, Werte und Objekte die Zeit bestimmen. Im rituell-kirchlichen Kontext gehören die Glocken heutzutage, wo viele Menschen sie in dem Kontext als störend empfinden, einfach in geschlossene Räumlichkeiten der Kirche und sollten nicht außerhalb erklingen. Da Glocken auch im heidnischen Kontext zur Herstellung des Kräftegleichgewichts (Equilibrium/Maat) genutzt werden können und somit das Gegenteil der christlichen Glocken herbeiführen, ist eine einfache Umnutzung sehr sinnvoll.
Wer selber eine Glocke heidnisch nutzen möchte, sollte sich erst einmal überlegen wozu genau. sie gebraucht wird. Die Kräftigkeit und Dauer des Klanges zeigt auch die musikmagische Intensität des Instruments an. Auf jeden Fall sollte einem selbst der Klang der Glocke gefallen und sympathisch sein, damit man sich nicht selbst schädigt. Bei dem Umgang mit diesem Instrument ist äußerste Vorsicht geboten und der Gebrauch sparsam anzuwenden. Der Respekt gegenüber dem Instrument und der Umwelt ist essentiell, weil ansonsten enormer Schaden entstehen kann, was schon die Christen missachteten. Für den speziellen Zweck sind nun Weihungen und Zauber aufzubringen, die auch von magischen Siegeln getragen sein können. Bei spezielleren Fragen dazu bitte ich mich einfach persönlich anzuschreiben (poeta-immortalis@web.de). Die Glocke (abgesehen von kleinen Schellenglöckchen) darf niemals in schamanistischer Musik verwendet werden, sondern bekommt eine Stellung als gesondertes Einzelinstrument, das den Anfang und das Ende einer magischen Aktion, sowie das Rufen oder Bannen von Geistwesen hervorruft. Als Taktinstrument wäre die Wirkung überaus negativ und folgenreich für die gesamte astrale Umwelt, weshalb ich darum bitte auf derartige Experimente zu verzichten. Wenn man Melodien mit Glocken erklingen lassen möchte, darf man daher keine anderen Instrumente verwenden. Die Einzeltöne sollten harmonieren. Dann besteht trotz der üblichen Funktion keine weitere Gefahr. Gesprungene oder schief klingende Glocken sollten allerdings dringend ausgetauscht werden oder ungenutzt bleiben, weil sich das ebenso zerstörerisch auswirken kann. Die Raumenergien würden dadurch völlig aus ihrer natürlichen Harmonie geworfen werden. Ein Chaos entsteht, das allen Beteiligten Schaden zufügt.

Fazit: Glocken sind überaus mächtige und mitunter auch destruktive Befehlsinstrumente, deren ältester archäologischer Nachweis aus dem alten China (etwa 1600 vor unserer Zeitrechnung) stammt. Sie können positiv zur Bannung von Krankeits- und Schadgeistern, aber auch negativ zur Vertreibung oder Schädigung aller anderen Wesen missbraucht werden. Die zahlreichen Glockentöne umgehen das Bewusstsein und können so enormen Einfluss auf das Handeln der Wesen nehmen. Das birgt sowohl Licht- als auch Schattenseiten. So kann man damit die Geister der Ahnen herbeirufen und wieder fortschicken (zum Beispiel jakutische Seelenglöckchen) oder auch eine Diktatur ausrufen und die ganze Welt unterwerfen. Es kommt also auch hier auf das richtige Maß, das Kräftegleichgewicht, an.


Quellen:

Brück, Axel: Schamanische Ritualmusik und die Kraft der Klänge, 2005 Uhlstädt-Kirchhasel, S. 23, 108.

http://de.wikisource.org/wiki/Zwergsagen_in_der_Gegend_um_Zittau
http://www.ev-roedinghausen.de/geschichte/glocken/
http://www.fortunecity.com/oasis/niagara/350/culture/sage.html
http://www.hr-online.de/website/specials/glocken/index.jsp?rubrik=51735&key=standard_document_38390331
http://www.nachtruhe.info/aberglaube.xhtml
http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/architektur/glocken/index.jsp
http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/niedersachsen/bengen/wohlenberg.html
http://waldhaus-klesz.de/ausflugsziele-lausitz/maerchen-sagen-legenden-sachsen-lausitz/querx-zittau-zwerg-querxloch-querxbrunnen.htm
http://www.youtube.com/watch?v=7GuOtWt7P1o&list=PLDF2A2957AE7A456B&feature=mh_lolz

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