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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Montag, 5. März 2012

Götterportrait: Bastet und Sechmet


Kommen wir nun zu dem Götterportrait einer der sympathischsten Gottheiten des ägyptischen Pantheons: Zu Bastet (altägyptisch: Bast). Gleichzeitig erfahren wir jedoch auch etwas über ihre Schwester, die aus Bastet selbst, ohne Verbindung mit einem anderen Wesen, entstand: Sechmet (altägyptisch für „die Mächtige“). Wem das jetzt seltsam vorkommt (und womöglich nach jungfräulicher Geburt klingt [, wobei Bastet dabei gewiss keine Jungfrau war]), der bedenke, dass Seelen immer aus mehreren Teilen bestehen (Ba, Ka und Ha/Ach) und so auch unter bestimmten Umständen teilbar sind. So ist Sechmet aus Bastets Ha (die „dunkle“ Seite) und einem Teil ihres Ka (= Geist,Verstand und schöpferische Lebenskraft) entstanden. Doch später mehr dazu... Beginnen wir mit den Ursprüngen.
Schon im Alten Reich (3. bis 6. oder 4. bis 7. Dynastie – je nachdem, welche Auffassung man vertritt, etwa 2700/2600 bis 2200/2100 vor unserer Zeitrechnung) wurde sie als löwenköpfige Göttin verehrt und war (und ist) mutig, wild, ungezähmt, naturverbunden und der sexuellen Lust wie auch dem Krieg zugetan. In ihrer Erscheinungsform als Löwin ist sie ein solares Tier, das fürsorglich und liebevoll zu ihren Kindern, jedoch umso grausamer zu ihren Feinden und so auch gefürchtet ist. Sie vereint alle Aspekte des Lebens in sich: Geburt, Entstehen und Wachsen bei der Nährung ihrer Schützlinge, den Höhepunkt des Lebens mit feierlich-ausgelassenen Ausschweifungen, Sexualität und dann schließlich den schnellen Niedergang und Tod (ihrer Feinde). Nur eine Zeit des Alters- oder Krankheitsschwäche, der Depression und Lethargie scheint es bei ihr überhaupt nicht zu geben. Wozu auch?! Schließlich spricht sie ja selbst die Sprache des Lebensgenusses.
Schrecklich schön... so war und ist sie...
Im Neuen Reich (ab etwa 1600 v.u.Z.) wandelte sich ihr Bild zu einer sanfteren, aber ebenfalls solaren, katzengestaltigen Gottheit. 

Früher und heute ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben das Diesseits vor bösartigen Wesen aus gefährlicheren Teilen der Unterwelt zu schützen. Die Katzen, mit ihrer Göttin Bastet, sind bedeutende Gegenspieler der weltbedrohenden Riesenschlange Apophis. So fungiert die Katzengöttin noch heute als beliebte Schutzwesenheit zahlreicher heiliger Orte, sowie auch Personen. Einem kann man sich sicher sein, wenn man mit ihr arbeitet: Man wird garantiert sehr viel Spaß haben. Ganz im Gegensatz zum ägyptischen Gott der Weisheit und Hüter der Zeit, dem ibisköpfigen Thoth, bei dem sie als so eine Art „Sekretärin“ arbeitet, ist sie alles andere als ernst und verbissen, sodass man sich mit ihr gerne mal einen Spaß erlauben kann, sofern man verträgt, dass sie auch mit einem selbst Späße treibt. Als eine der Göttinnen der Fruchtbarkeit (die Katze ist in Ägypten ein Fruchtbarkeitssymbol) und des Tanzes trifft man sie auch so manches Mal bei wilden Festen und Orgien. Wen das jetzt entsetzt, der sollte sich wohl lieber mit solch gesitteten Gottheiten wie Ra, oder Thoth begnügen. So unglaublich das angesichts ihres gegensätzlichen Wesens erscheinen mag, so ist Bast doch die Tochter des Ra und (eher wahrscheinlich anmutend) Mutter des löwengestaltigen Kriegsgottes Maahes.
Sechmet und Pharao Ne-User-Re (auch Niuserre genannt)
Kommen wir nun zur, bereits angekündigten, Entstehungsgeschichte Sechmets:
Der große Sonnengott Ra war eines Tages bestürzt, dass immer mehr Menschen nicht mehr an seine Existenz glaubten. So spaltete er einen Seelenteil, das sogenannte „Ha“, von seiner Tochter Bastet ab, um dadurch ein strafendes löwenköpfiges Wesen zu schaffen. Dies gelang ihm besser, als er es eigentlich beabsichtigt hatte, denn als er Sechmet, die auch den Beinamen „die Herrin des Zitterns“ trägt, Einhalt gebot, hörte sie nicht. Sie war so sehr im eigenen Blutrausch gefangen, dass sie niemanden mehr beachtete. Da fiel es Ra sein fataler Fehler auf: Er hatte vergessen der neu entstandenen Gottheit auch einen Teil des verstandbringenden Ka's zu geben. In seiner Ratlosigkeit, wie er dem sinnlosen Gemetzel ein Ende setzen könnte, fragte er schließlich Thoth. Dieser hatte sogleich eine Idee und Ra beauftragte die Menschen eine gigantische Menge Bier zu brauen und es, höchstwahrscheinlich mit Alraunenfrüchten, Hämatit oder rotem Ocker, rot zu färben. Dieses verteilte Ra auf den Feldern, sodass es so aussah, als wären sie voller Blutlachen. Als die zorneswahnsinnige Göttin diese Lachen sah, trank sie aus ihnen, im Glauben es sei echtes Blut, bis kein Tropfen mehr übrig war. Dabei wurde sie so betrunken, dass sie erst die Menschen nicht mehr erkannte und schließlich einschlief. Ra gab ihr in ihrer ungewollten Narkose einen Teil Ka von Bastet und so nahm ihre wundersame Wandlung zu der milden kuhgestaltigen Schicksalsgöttin Hathor ihren Lauf. Dies geschah durch die Seelenverschmelzung der Sechmet mit der gütigen und nährenden Kuhgöttin Bat. Nichtsdestotrotz kann sie auch heute immer noch als löwengestaltige Sechmet erscheinen, so wie auch dieser Aspekt und Seelenteil von zahlreichen Ägyptern in speziell dafür vorgesehenen Tempeln verehrt wurde.
Sechmet/Hathor und Bastet werden oft jeweils als „Auge des Ra“ bezeichnet. Dies ist ein funktionaler Titel, der einfach aussagt, dass Ra durch eine seelische Verbindung zu diesen seinen Kindern agieren und sehen kann.
Der wichtigste Ort der Bastetverehrung im alten Ägypten war Bubastis (heute: Tell Basta). Diese Stadt ist auch besonders für seinen ausgedehnten Katzenfriedhof mit zahlreichen wunderbaren Funden bekannt geworden. Bedauerlicherweise geht mit jeder archäologischen Ausgrabung eine Zerstörung des ursprünglichen Ortes einher, was in diesem Fall genau genommen Grabschändung ist. Deswegen bin ich sehr dafür, dass nach einer tiefgreifenden archäologischen Untersuchung und Rekonstruierung des Ortes der Erbauungszustand mitsamt der Orginalfunde wiederhergestellt werden sollte.
In meiner persönlichen Erfahrung spielt Bastet eine besonders große Rolle, als erste Gottheit mit der ich durch ihr einstiges sichtbares Erscheinen in Form einer wunderschönen schlanken leicht gebräunten Frau mit langen schwarzen Haaren und altägyptischer Festtracht in Kontakt kam. Sie lehrte mich sehr viele Grundlagen der altägyptischen Magie, ohne die ich jetzt nicht der wäre, der ich bin. Wer Selbiges erlernen möchte, wende sich daher am Besten an Bastet oder mich (E-Mail an poeta-immortalis@web.de). Sie erschien mir auch sehr oft als schwarze Katze, die dann plötzlich anfing mit mir zu plaudern. So kann ich sie ebenfalls wärmstens empfehlen, wenn jemand gerne Geschichten aus dem Nähkästchen der Götter hören möchte oder Rat bei Problemen in Sachen Liebe sucht.
Wer glaubt Bastet entspreche einem überweiblichen „Göttin“-Klischee, der irrt. Ihre Aspekte, ihr Umgang und ihre Art sind sogar vorwiegend männlich und es sind enorme Ähnlichkeiten zum nordischen Fruchtbarkeits- und Kriegsgott Thor festzustellen.

Fazit: Die Katzengottheit Bastet hat als Solche drei Haupterscheinungsformen: Einst als Löwin, später als schwarze Katze und als wunderschöne Frau mit langen schwarzen Haaren in altägyptischer Festtracht. Sie ist ein freudenvolles, gesprächiges, aber auch zu Recht von ihren Feinden gefürchtetes Wesen. Ihr Seelenteil Sechmet, Bastets löwenhafter Aspekt, war aufgrund eines Fehlers des Sonnengottes Ra kurzzeitig in Zorneswahn vefallen und darin beschränkt. Dieser Fehler wurde wieder gut gemacht und Sechmet wandelte sich zu einer gütigen und mächtigen Gottheit: Hathor.


Anmerkung:

Aufgrund kontroverser Diskussionen, die man über die Zeiteinteilung der ägyptischen Reiche führen könnte, inwiefern jetzt welche Dynastie zu welcher durch Historiker künstlich geschaffenen Epoche gehört, habe ich die zeitliche Orientierung des groben Überblicks halber leserfreundlich gerundet. Dies möge man mir entweder verzeihen oder positiv anrechnen. Die wissenschaftliche Lehrmeinung hat was die Epochenfrage betrifft hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach geändert, was man besonders merkt, wenn man ältere Fachliteratur studiert, und ich gehe davon aus, dass das in Zukunft auch nicht ausbleiben wird. Damals haben die Menschen, nicht anders als heute, garantiert nicht im Bewusstsein gelebt Teil einer bestimmten Epoche zu sein.

Ergänzung 26.11.2012
Verbindung mit:
  • Sechmet ist verbunden mit der ägyptischen Herrin des Schicksals und Wächterin über die Zeiten: Hathor
  • Sechmet ist eine dauerhafte Seeleteilabspaltung von Bastet, war also einstmals eins mit ihr und kann in einer zeitweiligen Vereinigungsform (Bast-Hathor) wieder mit ihr vereint sein
  • Etwas, das man nicht sofort erwarten würde ist, dass Bastet einiges mit dem germanischen Donnergott Thor gemeinsam hat, was sich jedoch durch die magische Arbeit und Befragung deutlich gezeigt hat. Es zeigt sich hierbei auch insbesondere, dass Bastet sehr pansexuell ausgerichtet ist und gerne auch mal eine männliche Erscheinungsform annimmt und darin ebenso gewitzt, sexuell anzüglich und trinklustig erscheint. Ist sie in Rage, so verursacht sie durchaus, genauso wie Thor, Blitze. Doch auch zahlreiche andere Übereinstimmungen lassen sich leicht beim genaueren Hinsehen beobachten, wenn allein die Befragung nicht genügt. Schließlich wurde Thor selbst vor der Christianisierung eher in seiner Form als Fruchtbarkeitsgott verehrt.

Quellen:

Betro, Maria Carmela: Heilige Zeichen – 580 Ägyptische Hieroglyphen, Wiesbaden 2004, S. 32.
Desroches-Noblecourt, Christiane: Ägyptische Tempel- und Grabmalereien, Milano 1962, S. 24.
Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter, Frankfurt am Main 2005, S.51, 52,110,112,128.
Müller-Ebeling, Claudia; Rätsch, Christian: Zauberpflanze Alraune – Die magische Mandragora, Solothurn 2004, S. 51-56.

http://www.gitta-warnemuende.de/tellbasta/project.htm 
http://www.mein-altaegypten.de/internet/Alt_Aegypten_2/Goetter/bastet.html 
http://www.mein-altaegypten.de/internet/Alt_Aegypten_2/Goetter/hathor.html 
http://www.mein-altaegypten.de/internet/Alt_Aegypten_2/Goetter/sechmet.html 
http://www.thekeep.org/~kunoichi/kunoichi/themestream/maahes.html


Bildquelle:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f0/Katze_Senckenberg_Profil.jpg?uselang=de
Urheber: Katharina Surhoff
Nachbearbeitung: Poeta Immortalis

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