NebelALLraunen ist...

eine Fülle an Seiten und Artikeln voller vielfältigster, ungeschönter Realitäten jenseitiger, wie diesseitiger Natur... wissenschaftliche Klarheit und Offenbarung wird eins; und das ganz ohne dogmatische, monistische Absichten oder gar Absolutheitsansprüche.

Rekonstruktionalismus und Technismus lösen hier mystische Geheimniskrämerei ab.

_____________________________________________________________________________

Du bist neu hier? Eine erste Einführung hilft dir weiter!


Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Freitag, 6. Januar 2012

Blutlehren - Von Magie und dem angeblich „reinem Blut“


Das Blut ist zweifelsfrei einer der wichtigsten Träger von Feinstoffen im Körper. Nicht nur feinstofflich, sondern auch grobstofflich ist es nahezu unersetzlich, lebenswichtig für einen jeden Menschen und noch mehr Tiere. Auch das Blutopfer spielt in zahlreichen Kulturen und Religionen weltweit eine entscheidende magische Rolle. Selbst das Christentum, das gern versucht ihre eigenen Blutopfer zu verschleiern, hat zahlreiche davon erbracht: Denken wir dabei allein nur an das all sonntägliche Verzehren des Leibes- und des Blutes, desjenigen, der zu Beginn der heutigen Zeitrechnung geopfert wurde: Jesus Christus. Ob nun symbolisch oder nicht, bei wem es magisch nicht funktioniert, bei dem erinnert es zumindest an eines von den unzähligen christlichen Blutopfern, deren sie sich so rühmen... ein zweifelhafter Ruhm sich an Schmerz, Leid, schier unendlichen Qualen und dem wiederholten Opfer verschiedenster Personen zu erfreuen. Die christlichen „Heiligen“ wurden in ihre Bestandteile zerlegt und magisch genutzt. Sogar ihr Blut, sofern noch vorhanden, hatte und hat dabei eine besonders hohe Bedeutung. Und noch größer war die Feier am Blutvergießen von Ketzern, Heiden, Muslimen und Juden, bei den verschiedenen Verfolgungen und christlich motivierten Kriegen.
Doch Blut steht auch für Leben, Geburt, Sexualität und Erneuerung, denken wir nur mal an das Menstruationsblut, das in vielen alten Kulturen als heilig galt. 
Belebend kann es auch, laut der germanischen Blutlehre, auf Runenzauber wirken. Durch das sogenannte „Bloten“ wurde das magische Objekt mit dem Besitzer des Blutes verbunden. Stammte das Blut von einem einer Gottheit geopferten Tier, so verband dieses Ritual den Gegenstand mit ebendieser, die die feinstofflichen Bestandteile des Tieres in sich aufgenommen hatte. Für diesen Zweck gab es sogar ein eigenes Opferfest, namens „Mittsommerblot“.

Einen literarischen Beleg für das Bloten von Runen bietet eine Passage aus der Egil-Saga: Darin sollte Gleichnamiger von Bard und seiner Königin vergiftet werden, damit er ihr keine Unehre bringe. Bard segnete das Getränk und gab es weiter, damit es Egil Skallagrimsson zu Trinken gegeben werde. Dieser nahm es entgegen, schnitzte Runen in das Trinkhorn, strich das Blut seiner Hand darüber und sprach schließlich seinen Trinkspruch. Da zerbrach das mit Runen verzauberte Horn, bevor er trinken konnte und das Gift ergoss sich auf den Boden. Da wusste Egil, was ihm gerade angetan werden sollte. 
An diesem Beispiel sehen wir besonders deutlich, dass Blut verbinden kann. Nicht nur mit Objekten, sondern auch mit Personen durch einen Blutaustausch. In der germanischen Tradition gab es in dem Zusammenhang die Blutsbrüderschaft, ein dauerhafter Bund zweier Personen, wodurch beide selben Blutes und somit voneinander abhängig wurden. Die uralte Sympathiemagie ist hierbei am Werk und lässt jeden von Beiden an den Kräften, aber auch Schwächen und Krankheiten des Anderen teilhaben. Auch die heutige Blutspende kann unbeabsichtigt zu solch einen Effekt führen. Dem sollte man sich vorher bewusst sein und für sich selbst Nutzen und Schaden abwägen. Für den Einen kann dies ein Vorteil sein, für den Anderen wiederum ein Nachteil. 
Im Dritten Reich spielte das Blut und die eigens dafür kreierte Blutlehre eine entscheidende Rolle. Diese Lehre übernimmt jedoch keine historischen Überlieferungen und Vorstellungen alter Kulturen, sondern formuliert sie grundlegend um, ja pervertiert sie. Der verbindende Aspekt des Blutes wird hier auf einmal bis hin zum „Volksblut“ und der im Blut lebenden sogenannten „Volksseele“ im Zusammenhang mit einer äußerst zweifelhaften Rassenlehre übersteigert. Weder aus modernen ethnologischen, biologischen, chemischen und physischen Erkenntnissen, noch aus der uns heute noch bekannten Magie und den Religionen aller Zeiten, lässt sich auch nur im Entferntesten etwas Vergleichbares erkennen und real erfassen. Ständige Vermischungen verschiedenster Individuen, Familien und Gruppen machen schon seit Anbeginn des grobstofflichen Lebens auf der Erde die Arten und ihre Ethnien aus und führen letztlich zu Weiterentwicklung, Anpassung, Spezialisierung, sowie weiteren evolutionären Prozessen. Zu keinem Zeitpunkt der Geschichte gab es jemals sowas wie „reinblütige Menschen“. Noch kühner könnte man anbringen, dass nicht mal die Art Mensch an sich so „rein“ ist, wie es vielleicht manche gerne hätten: Vermischungen zwischen Homo Sapiens Sapiens (Jetztmensch) und Homo Sapiens Neandertalensis (, dem Neandertaler), sind nicht nur aufgrund der nahen Verwandtschaft, des langen Zusammenlebens in gleichen Gebieten und dem Genpool heutiger Menschen wahrscheinlich, sondern mittlerweile auch nachgewiesen worden. Diese Erkenntnis hat aufgrund kreationistischer Vorstellungen der christlichen Kirchen leider sehr lange gebraucht, um sich in der Wissenschaft durchsetzen zu können. 
Auch in Magier- und Hexenkreisen kursieren so einige Lehren, die an die Blut- und Rassenlehre des Dritten Reiches angelehnt erscheinen und skurrile Parallelen zu Joanne K. Rowlings Harry Potter Romanen herstellen... Nein, leider ist dies kein Scherz. Ich selbst hätte nie daran geglaubt, wenn ich nicht selbst mit Personen in (wenn auch, aufgrund ihrer Ansichten, sehr kurzen) Kontakt gekommen wäre, die von sich selbst behaupten „rein magischen Blutes“ zu sein. Für diese Menschen, die es vorwiegend unter Satanisten zu geben scheint, werden magische Fähigkeiten angeblich durch das Blut übertragen und sind somit im wahrsten Sinne des Wortes rein angeboren. Diejenigen, die „unreinen Blutes“ sind, haben demnach keine wirklichen oder, wenn überhaupt, minderwertige magische Kräfte und können niemals „echte“ Magier oder Hexen werden, so diese merkwürdige Theorie, die jeder Grundlage entbehrt. Meine persönliche Erfahrung in der Praxis, auch in der Arbeit und im Austausch mit anderen Magietreibenden, hat da ganz andere Erkenntnisse gebracht: So resultieren wohl die magischen Grundfähigkeiten eines jeden Wesens aus dessen Vorerfahrungen und Vorkenntnissen, die die Seele im Verlaufe aller Inkarnationen durchgemacht hat, sowie genetisch-körperlichen Begünstigungen oder Nachteilen. Auch eventuelle (teilweise uralte) Segen oder Flüche auf der Stammlinie des eigenen Körpers oder sogar der Seele können darauf Einfluss nehmen. Alles Weitere kann absolut jeder im Verlaufe seines Lebens erlernen, sofern genug Willenskraft und Ausdauer dafür vorhanden ist. Ob es jedoch Vermischungen mit Nichtmagiern gab oder nicht, ist meiner Meinung und Erfahrung nach völlig irrelevant und nimmt keinen Einfluss auf die Fähigkeiten. Ganz davon abgesehen ist eine Kontinuität der magischen Praxis in der eigenen Stammlinie rein historisch gesehen nur in extrem seltenen Fällen, wenn überhaupt, dauerhaft möglich gewesen. Grund dafür war die Christianisierung Europas und die Verfolgung aller Magietreibenden (außerhalb dafür vorgesehener katholischer Ämter) und anderer „Ketzer“ und „Heiden“. Von daher macht eine Lehre eines angeblich „rein magischen Blutes“ gar keinen Sinn, was aber bekanntlicherweise Menschen nicht davon abhält.


Fazit: Blut ist eine besondere magisch vielfältig nutzbare Körperflüssigkeit, da sie einer der Hauptenergieträger im Körper ist, die grobstofflich greifbar sind. Blut kann für Tod, wie für Leben stehen, als Opfer oder Fruchtbarkeit und Sexualität dienen. Blut kann verbinden, nicht im Blute selbst, das ja ohnehin nach einiger Zeit, biologisch betrachtet, völlig ausgetauscht wäre, sondern vielmehr die darin enthaltenen feinstofflichen Energien, die vom Astralkörper irgendwann assimiliert werden oder einem Gegenstand (zum Beispiel magischen Zeichen) sozusagen eine kleine Seele einhauchen können. Es gibt verschiedenste Blutlehren, sowohl von weisen alten Völkern, als auch von Autoren näher liegender Zeiten verfasst. Zwei dieser Lehren fallen dabei besonders für die Unsinnigkeiten ihrer Inhalte auf: Die Rassen- und Blutlehre der Nazis und die Lehre von „magisch reinem Blut“, die noch heute im Gedankengut zweifelhafter Minderheiten fest verwurzelt sind. Doch ist auch zu betonen, dass solche Ideologien auch unter Satanisten nicht  üblich sind und es verschiedenste Gruppierungen und Einzelpersonen unter dem Oberbegriff "Satanisten" gibt, die noch nicht mal alle mit der Wesenheit Satan arbeiten, geschweige denn irgendetwas Verwerfliches tun! 

Klärende Randinfo: Ich selbst, als Autor dieses Textes, bin kein Satanist, sondern ein freier Polytheist.





Quellen: Fries, Jan: Helrunar, Ein Handbuch der Runenmagie, Bad Ischl 2009, S. 55, 88,89.
http://www.evolution-mensch.de/specials/neandertaler/neandertaler-genom.php
http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/drittes_reich/ns_rassenlehre/index.jsp
http://www.textlog.de/schlagworte-volksseele-herder.html
http://www.trudimonia-shop.de/Blutmysterien.php


 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen