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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Freitag, 2. Dezember 2011

Götterportrait: Fenris/Fenrir


Fenris, der Totenwolf: Eine Gottheit der nordischen Mythologie, die ganz ähnlich wie Prometheus, ohne etwas wirklich Negatives oder Destruktives getan zu haben, zu Unrecht verbannt und vor allem durch magische Fesseln gebunden wurde, gefangen in einem trostlosen Teil der Unterwelt, doch trotzdem ungebrochenen Willens. Er ist wohl einer der missverstandensten Charaktere der christlich tradierten, und womöglich auch uminterpretierten, Edda.
Als einer der Söhne des listenreichen Loki, gemeinsam mit der Riesin Angrboda gezeugt, hat er schon von seiner seelischen Geburt an, besonders große göttliche Kräfte, sowie einen hellen Verstand. Energetisch wirkt er dunkel und angenehm kühl: In ihm wohnen enorm starke lunare Kräfte. Diese Kräfte waren es auch, die den Asen so manchen Schauer über den Rücken jagten, als der junge Götterwolf bei ihnen aufwuchs. Und mit jedem neuen Tag wuchsen seine Kräfte noch mehr! Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass er sich von allem ernähren kann und konnte, was auch nur kleinste Mengen feinstofflicher Energie enthält, auch wenn es normalerweise noch so ungenießbar wäre. Aus Angst Fenrir könnte sich eines Tages gegen sie wenden und die Herrschaft über Asgard beanspruchen oder sie gar verschlingen, beschlossen die Asen ihn vorsichtshalber mit einer Kette namens Läding festzubinden, ohne, dass er eine solche Absicht je gezeigt hätte. Angst ist also nicht nur bei den Menschen eine Haupttriebkraft für Unrecht... Natürlich zeigte Fenris Gegenwehr, sodass das Vorhaben des Götterrates scheiterte. Daraufhin wurde der Versuch unternommen eine stärkere Kette, namens Dromi anzulegen, die ebenfalls von Fenris zerrissen wurde. Im Zweifel ob ihr eigenes Können den Wolf binden kann, wendeten sich die Asen an die handwerklich begabten Zwerge, welche aus den allerbesten Materialien ein magisches Band namens Gleipnir schmiedeten, das jedoch absolut harmlos wirkte. Bei diesem dritten Versuch konnten die Götter, allen voran Tyr, ihn mit einer List binden. Dabei stellten sie das Ganze als Kraftprobe dar, die Fenris jedoch schnell als Falle durchschaute und deshalb forderte, dass ihm einer der Asen als Pfand für eventuellen Verrat die Hand ins Maul halten solle. Keiner der Götter wollte soviel dafür opfern, außer Tyr, der dadurch unter den Göttern und Menschen Gunst und Macht erringen wollte. Bei dem Bruch der eigenen göttlichen Gesetze von Asgard verlor Tyr so seine rechte Hand und konnte sich an dem zweifelhaften Ruhm erfreuen eine Todesgottheit gebunden zu haben.
 Aus meiner magischen Arbeit mit dem Fenriswolf habe ich einiges über dessen Aufgaben in Erfahrung bringen können: Bei Fenrir handelt es sich um ein Wesen, das unerlässlich für das Gleichgewicht der Kräfte (Equilibrium) ist. Er vereint in sich die Aufgaben eines Totengeleiters, Totenrichters und Fressers, die zum Beispiel im alten Ägypten gleich mehrere Gottheiten übernehmen: Anubis, Thoth und Ammit. Vor seiner Bindung hat er diese Aufgaben im Auftrag der Asen ausgeführt und war somit ein wichtiger Teil des Lebenskreislaufs. Eine Verteufelung solch einer verantwortungsvollen und gesetzestreuen Aufgabe, würde einer Ablehung des Lebens gleichkommen.
In seiner Funktion als Totengeleiter erscheint er am Ort des Todes, klärt die Person über die Änderung ihres Zustandes und ihre neuen Möglichkeiten auf und richtet über ihre Taten, die er aus der Seele liest. Wogen diese zu schwer, muss er das Equilibrium durch das Verschlingen wiederherstellen und kann somit diese Energien in sich selbst ausgleichen (und dadurch praktisch „reinigen“). War solch ein Schritt nicht nötig, führt er die Person sicher durch ein Astralportal („weißes Licht“) in eines der Totenreiche, wobei ein Weg voller Gefahren zurückgelegt werden muss, den diese Seele höchstwahrscheinlich allein nicht überleben würde. Damit bewahrt er auch das Leben.
Ich halte es auch durchaus für möglich, dass die Germanen an so etwas wie Reinkarnation geglaubt haben könnten, da ihre Ansichten des Nachlebens dies durchaus zulassen würden und ja bekanntlicherweise nicht alle Seelen der Verstorbenen nach Walhalla kamen, um dort ebenfalls zu Göttern, also Unsterblichen, zu werden. Ein solcher Aufstieg nach Walhall schließt natürlich eine Wiedergeburt im Regelfall aus (,wenn man von dem seltenen Fall absieht, dass eine Gottheit sich auch dazu entschließen kann zu inkarnieren). Zumeist kamen die Totenseelen jedoch durch Totengeleiter in das „lichte Reich“ Hel.
Nach der Fesselung des Totenwolfes, durch der Asen Betrug, wurde er jedoch in ein dunkles, verlassenes Reich in den Tiefen der Unterwelt gebracht, wo er auf der Insel Lyngwi, die vom See Amsvartir umgeben ist, mit der Kette Gelgja zusätzlich so stark magisch gebunden wurde, dass er für alle Ewigkeit dort bleiben sollte. Doch, wie die mögliche magische Arbeit mit ihm zeigt, muss er sich wohl, so wie in der Edda beschrieben, losgerissen haben. Was und was nicht aus Völuspa noch eintreffen wird, wird sich zeigen. Jedoch gab es bis jetzt keinen erneuten Konflikt zwischen den Asen und Fenris. Ganz im Gegenteil, scheinen sie ihr einstiges Tun zu bereuen, da sie nun ganz anderen Gefahren und Feinden gegenüberstehen, bei denen sie jede Hilfe gebrauchen können.
Fenrir ist eben kein „böser“, destruktiver Dämon, sondern ein friedlicher Wolf, so treu, ehrlich und freundschaftlich wie ein Hund (was hier natürlich nur ein Vergleich und keine Gleichsetzung ist), jedoch wohl gleichzeitig einer der stärksten Wölfe. Er liebt die Nacht, den Wald und die Natur und ist ernst, aber gütig bei seiner Pflichterfüllung. Er ist ein Krieger der Ordnung des Gleichgewichts (Maat, sowie Equilibrium) und ein Schützer des Lebens und des Todes.
In meiner persönlichen ikonographischen Interpretation (siehe Bild), habe ich deshalb als seine Attribute das Richtschwert und den Totenschädel gewählt. Zu seiner Linken steht der Vollmond am Nachthimmel, der den linkshändigen Pfad und die lunaren Kräfte des Fenris betont. Der schneebedeckte Menhir im Hintergrund zeigt verschiedenste magische und schamanistische Symbole, vor allem die der Erde (symbolisiert den Körper und seine Verfallsprodukte) und der Luft (symbolisiert den Odem und die Seele), der er als Totengottheit gleichermaßen zugeordnet ist. Links vor ihm liegt auf einem Stein ein Feind des Equilibriums, der gerade gerichtet wird. Dem Betrachter sei die Interpretation dieses (vielleicht in dieser Größe schwer zu erkennenden) Fisches, selbst überlassen.

Natürlich soll dies alles kein Dogma darstellen, sondern als Anregung für eigene Gedanken zum Thema dienen! Mein Götterportrait des Fenris/Fenrir verbindet die überlieferten Schriften mit meinen eigenen Erfahrungen und Aufzeichnungen. Inwiefern jeder Einzelne dem Glauben schenkt und es für wahr oder unwahr hält, muss jeder mit sich ausmachen...

Ergänzung 26.12.2012:
Verbindung mit:
  • dem sumerischen Mondgott Enzu (gesprochen: En-su)/Su'en (akkadisch)/(Sin (assyrisch/babylonisch, gesprochen Sien)/Nanna (elamisch), Sohn des Enlil und Mann der Ninlil, Vater der Inanna/Ishtar, des Utu und des Adad
Wie ich darauf komme: Schon 2009 habe ich durch Befragung des Fenris seine weiteren Namen erfragen können und in zahlreichen Zauberformeln durch ihn treten immer wieder seine Eigenbezeichnungen "Fenris, Gorim, Nu, Ensu" (hier: so wie man es spricht geschrieben) hervor. 2012 ist mir im Kontext meines Studiums der Orientarchäologie aufgefallen, dass dieser vierte Name nicht nur identisch mit dem alten Namen des Mondgottes Sin ist, wobei schon in der Glyphe/Sigil des Fenris ebendieser Mond deutlich hervortritt, sondern auch die von der Gottheit selbst erfahrenen Geschichten mit denen von Enzu Verbindungen  aufweisen.

Quellen:
D. R. Frayne: Sargonic and Gutian Periods, The Royal Inscriptions of Mesopotamia, Early Periods, Vol. 2, Toronto/Buffalo/London 1993, S. 295f.
Kalweit, Holger: Das Totenbuch der Germanen, Aarau 2001.
Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart 2006. 

http://etcsl.orinst.ox.ac.uk/section4/tr41313.htm

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