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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Phänomene: Visionen – die Schau entrückter Dinge


Schon seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte wird immer wieder von Visionen einzelner Personen berichtet. Dabei eröffnen sich mehrere Fragen die es zu klären gilt: Was sind Visionen, wie kommen sie zustande und wie werden sie erlebt?
Das Wort Vision kommt vom lateinischen Wort “videre”, was soviel, wie sehen oder schauen heißt. Doch mit einer Vision ist meist nicht das herkömmliche Sehen gemeint, sondern das Sehen von fernen, nicht diesseitigen, zukünftigen oder vergangenen Ereignissen auf besondere Art und Weise. Es ist ein bildhaftes, subjektives Erleben von andersweltlichen oder entrückten diesseitigen Dingen. In manchen Fällen kommen auch noch Höreindrücke dazu. Der Schauende wird von dem was er sieht geradezu magisch angezogen. Dabei kann die Zeit langsamer oder schneller als gewöhnlich vergehen. Visionen können in verschiedenen Formen auftreten: Als spontan auftretende Erscheinung, als besonders klarer und realer Traum, als bewusst herbeigeführte Vision und als Traum oder Erscheinung in extremen körperlichen Notsituationen (zum Beispiel schwerer Schmerz, Fieber, Vergiftung und eintretender Tod).

Diese Formen sollen nun noch genauer erläutert werden:
Eine Visionserscheinung kann zu jeder beliebigen (wachen) Zeit plötzlich an annähernd jedem Ort auftreten, häuft sich aber statistisch betrachtet zu Zeitpunkten an denen keine anderen Menschen anwesend sind. Andere Personen nehmen die Vision samt ihrer eventuellen akustischen Begleiterscheinungen zudem meist nicht wahr, wie intensiv sie auch für den Schauenden (und Hörenden) sein mögen. Manchmal kündigt sich solch eine Erscheinung auch durch ein ungewöhnliches Ereignis an, zum Beispiel durch unnatürlich auftauchendes Licht, Dunkelheit oder seltsame Bewegung von Bäumen.
Der Wahrtraum ist eine visionäre Sonderform des Traumes. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Träumen erscheint er besonders klar und deutlich, ohne, dass man in ihn aktiv eingreifen könnte, selbst wenn man das luzide Träumen ( = Klarträumen – also selbstbestimmtes Träumen) beherrscht. Er übermittelt meist Geschehnisse aus zukünftigen oder vergangenen Zeiten (die real sind) , manchmal sogar aus vergangenen Inkarnationen.
Visionen können, wie bereits erwähnt, auch bewusst herbeigeführt werden. Möglichkeiten dafür sind die Schau in einen Schwarzspiegel, eine Kristallkugel oder andere spiegelnde Flächen (z.B. Wasser) auf spezielle Art und Weise, ekstatische Handlungen wie Tanz (die auch Andersweltreisen verursachen können), Tiefenmeditation, Beschwörung von Helfern aus dem Jenseits und bewusstseinserweiternde Mittel (, wie durch die Gase aus dem Omphalos in Delphi). Bei Letzteren verfällt der Seher oder die Seherin (in Delphi die Pythia) in eine Tiefentrance (ähnlich wie bei der Tiefenmeditation) und hat so direkten und vollen Zugriff auf die verborgenen Fähigkeiten der Seele (siehe Magie), die lokal oder temporal entfernte Dinge sichtbar machen können. Auch bei ekstatischem Tanz tritt solch eine Trance ein. Bei der Schau in spiegelnde Objekte wird eine leichte magische Trance (Gnosis) als Hilfsmittel verwendet und ggf. nach magischer Besprechung ( = Spruchmagie) des spiegelnden Objekts oder Gedankenkonzentration in Selbiges gestarrt. Nach einiger Zeit des geduldigen und konzentrierten Starrens wird die Fläche trübe und nebelig. Aus diesen nebulösen Strukturen formen sich nun langsam Bilder und Formen, werden klarer und laufen vor einem ab. Diese gilt es anschließend, wenn nötig, zu interpretieren.
Es wird häufig von Personen berichtet, die während einer besonders schweren Krankheit, Visionen bekamen (wie zum Beispiel extrem hohem Fieber). Diese können durch Krankheitsgeister oder auch andere Geistwesen ausgelöst werden, sowie durch den eigenen unbewussten Teil der Seele. Wiederbelebte Menschen berichten auch davon, dass ihr eigenes Leben visionär zum Zeitpunkt des eintretenden Todes vor ihnen ablief.
Alle Visionen werden entweder durch Wesenheiten oder Götter gezielt hervorgerufen, treten bei oder nach Kontakt mit Objekten auf, die bestimmte Erinnerungen in feinstofflicher Form tragen oder sind Reaktionen der Seele (bzw. Des Unterbewussten) auf Notsituationen.
In vorchristlicher Zeit waren in allen Kulturen der Welt Seher (die auch noch zahlreiche weitere divinatorische Künste und die Omendeutung verstanden) und Visionäre sehr gefragte und angesehenene Personen, oft von hohem gesellschaftlichen Rang. Ihre Dienste wurde bei vielen wichtigen Entscheidungen verlangt. Eine der berühmtesten mythologisch überlieferten Seherinnen ist Kassandra, die Tochter des trojanischen Königs Priamos. In ihrem Fall verliebte sich der Gott Apollon in die wunderschöne Frau und schenkte ihr die Seherfähigkeiten, um ihre Gunst zu gewinnen. Da sein Werben jedoch scheiterte, verfluchte er die Gabe an Kassandra, sodass trotz richtiger Vorhersehungen, niemand auf sie hörte. Dies führte schließlich zum Fall Trojas.
Auch die germanische Edda, wie viele anderen polytheistischen Vorhersehungsschriften (zum Beispiel auch der Dresdner Maya-Codex – Codex Dresdensis), ist das Resultat von Visionen. Weitere Praktiken zur Erstellung solcher Werke sind Divination, astrologische Berechnungen oder Götterbefragungen.
Es kam auch im Mittelalter dazu, dass fromme Christen, wie schon einige Bibelautoren, Visionen erlebten. In dieser Zeit waren die erlebten Visionen meist spontane Erscheinungen, Klarträume oder Visionen, die durch Engel geführt worden sein sollen. Alle anderen Wege zur Herbeiführung einer Vision, inklusive durch bewusstseinserweiternde Mittel, waren im Mittelalter strengstens durch die christliche Kirche verboten, um einen Großteil der Jenseitserfahrungen, sowie Visionen von Zukunft und Vergangenheit zu verhindern, um damit die Gesetze des doch sehr zweifelhaften Christengottes einzuhalten. Übertretungen wurden für gewöhnlich mit Folter und einem grausamen Tod bestraft, so wie es die Bibel verlangt (zum Beispiel 3. Mose 20; 5. Mose 18). Auch von der Kirchenobrigkeit wurden derartige Erlebnisse gar nicht gern gesehen, da sie auch Inhalte enthielten, die die Kirche im Verlaufe mehrerer Konzile, wie dem zweiten Konzil von Konstantinopel, bewusst aus der christlichen Lehre gestrichen hatte, um einige unschöne Dinge zu vertuschen. Da Visionen vom Erlebten her eine kaum mit Worten beschreibbare magische Erfahrung sind, fiel es der katholischen Kirche nicht schwer viele dieser Visionäre als verrückt oder gar mit dem Teufel im Bunde abzustempeln und so unschädlich zu machen. Trotzdem blieben einzelne dieser Visionäre überzeugend genug, um ihre Schau offiziell anerkennen zu lassen. Dazu gehört auch Hildegard von Bingen, die von so hohem kirchlichen und weltlichen Stand war und so viel Zuspruch fand, dass die Nichtanerkennung ihrer Visionen die Kirche hätte (selbst für Christen) unglaubhaft erscheinen lassen. Derartige medial begabte Christen gaben ihr Gesehenes der Öffentlichkeit durch Buchmalereien verbunden mit ihren Texten zur Schau. Im Christentum war und ist es demnach völlig unbedeutend, ob es sich nun tatsächlich um eine echte Vision handelt oder nicht. Ob eine christliche Vision anerkannt wird oder nicht ist bei ihnen immer eine machtpolitische Angelegenheit, weshalb nichtchristliche oder machtgefährdende Visionen von vornherein hart bekämpft und abgewürgt wurden.
Fazit: Visionen sind eine spontane oder gezielt herbeigeführte Schau entrückter Dinge, die durch Geistwesen, an Gegenstände gebundene Erinnerungen oder körperliche Notreaktion hervorgerufen werden kann, um spezielle Informationen zu übertragen. Sie werden sehr subjektiv und oft auch wahrnehmungsintensiv erlebt. Die Vision an sich kommt durch die Wirkung von Feinstoffen auf die Seele der "Sehenden" zustande.

Quellen: 
Müller, Gerhard: Theologische Realenzyklopädie Bd. 35, Berlin 2003, S. 117–150. 
Koschyk, Heike: Hildegard von Bingen. Ein Leben im Licht, Berlin 2009, S. 219-223. 
http://www.diebibel.de/ 
http://www.documentacatholicaomnia.eu/04z/z_0553-0553__Concilium_Constantinopolitanum_II__Documenta__LT.doc.html 
http://www.sagengestalten.de/ - Kassandra 

Weiterführende Links:
http://www.slub-dresden.de/sammlungen/handschriften/maya-handschrift-codex-dresdensis/

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