NebelALLraunen ist...

eine Fülle an Seiten und Artikeln voller vielfältigster, ungeschönter Realitäten jenseitiger, wie diesseitiger Natur... wissenschaftliche Klarheit und Offenbarung wird eins; und das ganz ohne dogmatische, monistische Absichten oder gar Absolutheitsansprüche.

Rekonstruktionalismus und Technismus lösen hier mystische Geheimniskrämerei ab.

_____________________________________________________________________________

Du bist neu hier? Eine erste Einführung hilft dir weiter!


Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Montag, 31. Oktober 2011

Spruchmagie - die Worte der Macht


Worte haben Macht. Man kann damit schöpferisch wirken, bewahren, erhalten, traktieren, schädigen und sogar vernichten. Doch wie weit kann diese Macht gehen? Können diese, schon für sich wirkungsvollen, Worte, geladen mit feinstofflichen Energien, noch mehr Kraft entfalten?
Ja, und ob! Das können sie! Doch nicht zu voreilig... erst einmal soll geklärt werden, was das Ganze eigentlich ist und wie es funktioniert:
Spruchmagie ist eine Form der Verbalmagie. Zu dieser gehören auch noch Beschwörungsformeln, Lautmagie, sowie, in Überschneidung, rituelle Musik. Der spruchmagische Zauber bindet feinstoffliche Energien durch Wille und Konzentration an Worte, die im richtigen Zusammenspiel, Kraft freisetzen, beliebig beeinflussen oder wandeln können. Kombiniert mit Imagination, Gnosis, sowie weiterer Zuführung feinstofflicher Energie, kann die Wirkung des Zaubers noch verstärkt werden. Doch woher kommt die Spruchmagie eigentlich?
Die Ursprünge der schriftlich fassbaren Spruchmagie sind im alten Babylonien und Ägypten zu finden. Es handelt sich also um einenj hauptsächlich orientalischen Einfluss, der sich nach Europa verbreitete. Davon unabhängig kennt man jedoch auch davon unabhängige eigene europäische Entwicklungen zu finden. Auch die mesoamerikanischen Völker kannten und beherrschten Zaubersprüche und sind damit in Amerika einer der Ursprünge.



Einige Zauberworte und Formeln haben sich auch aus den germanischen Gebieten, später von christlichen Autoren beeinflusst, erhalten. Ohne diese Vermischung mit christlichem Gedankengut wären sie wohl im Mittelalter sehr schnell aufgefallen und verbrannt worden. Wissen, gerade, wenn es sich um solches nichtchristlicher Herkunft handelte, war nicht nur unerwünscht, sondern stand, nach biblischem Rechtsverständnis, unter Todesstrafe (denn angeblich sei nur „Gottes“ Wort wahr). Gleiches galt für das Zaubern an sich (Exodus 22,17), weshalb es unter einem Deckmantel geschehen musste. Diese abgewandelten Werke tauchten gerade in den letzten beiden Jahrhunderten vermehrt bei der Recherche in Bibliotheken kirchlicher Einrichtungen auf. So geschah es auch 1841 mit den Merseburger Zaubersprüchen.(siehe Bild). Der Erste der beiden Zaubersprüche dient zur Befreiung von, auf dem Schlachtfeld gebannten (und damit dort gefangenen), Totenseelen. Der Zweite soll das verrenkte Bein eines Pferdes heilen. Sie sind somit für den schnellen Gebrauch während und nach einem Feldzug gedacht, was vermuten lässt, dass eine derartige Anwendung von Spruchmagie bei den Germanen durchaus üblich war. Auffällig ist vor allem die Einleitung des Zauberspruches mit einer mythologischen Geschichte, die zum Beispiel die Götter Wotan und Freya erwähnt. Dabei handelt es sich wohl um eine Art Legitimation der Macht des Spruches, die gleichzeitig durch die Verknüpfung mit vertrauten Gottheiten die Selbstsicherheit und Willensstärke des Magiers/der Hexe erhöht. Da es sinnvoll ist den Zauber auswendig zu kennen, kann solche eine Verknüpfung zudem als Eselsbrücke dienen.
Ein Zauberspruch ist in erster Linie ein komplexer Willenssatz mit dem Ziel den eigenen Willen auf etwas Anderes zu übertragen und dadurch Realitäten zu erzeugen. In den verschiedenen Kulturen und Magietraditionen der Erde haben sich unterschiedliche Formen des spruchmagischen Zaubers gebildet. Einer der ältesten und für die gesamte europäische Nachwelt grundlegendsten Zauber, ist der Altägyptische. In der Tradition und Praxis dieses magiekundigen Volkes waren Worte der Macht (hekau) für alle heiligen Lebensbereiche und Gegenstände notwendig. Erst durch diese besonderen Worte können die sakralen Objekte ihre Macht entfalten und zu Realitäten werden, wie schon das Wort hekau an sich sehr treffend beschreibt. Auf diese Weise sollen zum Beispiel auch Doppelgänger, Abbilder von Personen, zum Leben erweckt worden sein ( = Geminalzauber). Zudem war der spruchmagische Zauber unumgänglich für die Jenseitsvorsorge der Ägypter, die ein ganzes Buch (natürlich nicht in der Buchform die wir heute benutzen) voller Zaubersprüche, Anrufungen und Gebete (Totenbuch) auswendig lernten, um gegen alle Gefahren und Probleme im Jenseits gewappnet zu sein. Hier gibt es sowohl einfache Willenssätze als auch komplexere Spruchformeln. Ein komplexer Zauberspruch kann sich, zum Beispiel, aus einer Anrufung/Nennung der Hilfswesenheit(-en), der auszuführenden Tätigkeit, dem zu verändernden Zielobjekt/der Zielperson , gegebenenfalls dem Träger des Zielobjekts, den Bedingungen und Eigenschaften und letzten Ende, der energetischen Quelle/Unterstützung und Absegnung des Zaubers. Ein Kraftwort gen Ende entfaltet oft erst die volle Wirkung des Zaubers. Das Besondere bei solch einer komplexen Spruchformel ist die beschriebene zusätzliche Zufuhr an feinstofflicher Energie, zu der, die man selbst aufwendet. Das gewährleistet, dass die magische Ladung dauerhaft erhalten bleibt. Gegenzauber können generell einen anderen Zauber nicht auslöschen, sondern ihn nur umwandeln, sofern er mächtiger als die ursprüngliche magische Ladung ist. Soweit zur Theorie der Zaubersprüche...
Nun stellt sich mancher Leser sicherlich die Frage, wie man überhaupt zu Zaubersprüchen kommt.
Dafür gibt es wieder mal mehrere Möglichkeiten: Die Suche von Zaubersprüchen in alten magischen Schriften, die Erfragung von Zaubersprüchen bei der Arbeit mit Geistwesen und Göttern, sowie die Entwicklung eigener neuer Zaubersprüche. Alles davon hat, wie immer, seine Vor- und Nachteile.
Zur zeitaufwendigsten und kompliziertesten Variante kann die Suche in alten magischen Schriften werden. Für die Recherche bieten sich vor allem alte Grimoires, Codices, Tontafeln, Papyri und sonstige Inschriften an. Vorraussetzung ist hier der Zugang zu den entsprechenden Schriften (bzw. zu deren Kopien und Abschriften), sowie die Kenntnis der entsprechenden alten Schriftsprache. Falls man Letzteres nicht besitzt, gibt es oft auch Übersetzungen, die man jedoch kritisch betrachten sollte. Eine Übersetzung ist immer auch eine Interpretation! Ist man nun fündig geworden, so ist es sinnvoll sich die betreffenden Stellen abzuschreiben. Doch Achtung: Es kann mitunter schlimme Folgen haben Zaubersprüche unbedacht laut vorzulesen! Vorher ist es wichtig sich ausführlich über den Inhalt, Sinn und Ziel des Zaubers kundig zu machen. Ist dies nicht mehr nachvollziehbar, sollte man dringendst davon ablassen den Zauber zu benutzen. Vorerst unbrauchbar sind auch manche solcher alten magischen Texte, bei einem schlechten oder gar fragmentarischen Erhaltungszustand. Um diese beiden Probleme zu beheben, ist es möglich ein magiekundiges Geistwesen oder einen Gott zu beschwören und dazu zu befragen. Dabei empfiehlt es sich, wenn in dem Zauber beispielsweise Marduk als Hilfswesen angerufen wird, ebendiesen Gott erscheinen zu lassen. Auf ähnliche Art und Weise kann man auch zu Spruchmagie kommen, die gar nicht mehr überliefert wurde, oder sogar gänzlich neu ist. Diese von Göttern gegebenen Zauber haben den Vorteil sehr große Kräfte und Wirkungen entfalten zu können. In den Hochkulturen der Antike war diese Möglichkeit sehr beliebt. Im Mittelalter wurde das Wissen darum, wie schon erwähnt, weitestgehend vom Christentum ausgelöscht, sodass sich die Magier und Hexen dieser Zeiten nur noch auf alte Schriften berufen oder innovativ werden konnten. So kam es dazu, dass Zauber nun häufiger frei erfunden wurden, wodurch ihre Wirkung sehr experimentelle Züge annahm. Hält man sich jedoch an ein funktionierendes Formmodell, so kann auch ein selbst entwickelter Zauberspruch durchaus die erwünschte Wirkung in einer akzeptablen Intensität erzielen.

Fazit: Spruchmagie ist eine Form der Verbalmagie, die mit Hilfe von Willenssätzen Realitäten erzeugen kann. Es gibt verschiedene mögliche Formen von Zaubersprüchen, deren Urspünge in den alten Hochkulturen zu finden sind, und sich über Jahrtausende bis heute verändert haben. Eine Rekonstruktion von Fragmenten historischer spruchmagischer Schriften ist durch die Befragung von Gottheiten möglich.


Quellen:
E. A. Wallis Budge: Egyptian Magic, Leipzig, 2003, S. 67 ff.
Kurt Aram: Magie & Zauberei in der Alten Welt, Wiesbaden, 1998, S.10.
http://www.homomagi.de/MerseburgerZaubersprueche.htm
http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/ex22.html
http://www.univie.ac.at/skandinavistik/txt/mz.html

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen