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Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Montag, 17. Oktober 2011

Drachen und Riesenschlangen


Drachen sind Wesen, die die Menschen der gesamten Erde schon seit frühesten Zeiten beschäftigen: Die Einen im positiven Sinne, andere sahen sie als vernichtenswerte Bedrohung. Ihre Bedeutung bezeugen die ältesten noch erhaltenen (und wiederentdeckten) künstlerischen Darstellungen ab dem vierten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Doch was genau sind Drachen?
Drachen sind große reptilienartige Raubtiere in verschiedensten körperlichen Ausprägungen (von lang und schlangenhaft bis kurz und echsenhaft) mit vier Gliedmaßen, die auch geflügelt, gehörnt und mehrköpfig sein können. Künstlerisch wurden die Vergleiche aus dem Lebensumfeld der Autoren vieler Schriften über Drachen aus Unkenntnis (besonders im christlichen Mittelalter) oft wörtlich umgesetzt. Ihnen wird nachgesagt besondere Kräfte zu besitzen (zum Beispiel Feuer zu speihen und der Magie kundig zu sein). Auch ihre Körperteile und Säfte sollen Kräfte verleihen und Krankheiten heilen, was nach magisch-energetischen Lehren möglich wäre (zum Beispiel Sympathiemagie, Blutmagie). Drachen existieren als Geistwesen in vielen Teilen der Anderswelt und können sich praktisch jedem Lebensraum anpassen. Ob es sie auch in entlegenen Gebieten oder unterirdischen Höhlensystemen in grobstofflicher Form geben könnte bleibt ungewiss. Auffällig sind weiterhin Ähnlichkeiten zu einigen Dinosaurierarten, was eine mögliche Verwandtschaft oder sogar Übereinstimmung zur Frage stellt. Dafür spricht auch das Vorkommen von Drachen in zahlreichen Schöpfungsmythen. In vielen Kulturen ist eine Unterscheidung zwischen Riesenschlangen und Drachen nicht gegeben. Jedoch nehmen diese ähnliche Positionen und Funktionen ein.



Indiens epische Riesenschlangen werden Nagas genannt und sollen sich in Menschen verwandeln können. Es handelt sich dabei um mächtige, der Magie kundige Geistwesen. Sie können sowohl als Götter, als auch als Dämonen auftreten. Die Götter unter ihnen werden für ihre schützenden, sowie Fruchtbarkeit und Glück bringenden Kräfte angerufen und verehrt. Genau wie bei ihren östlichen Nachbarn die Drachen, leben Nagas in Gewässern. Der See Yamzhog Yumco in Tibet soll der Sitz der Nagakönige sein.
In China hatte und hat der hier eher schlangenhafte Drache (long) fast ausschließlich eine positive Rolle. Sein Erscheinen ist ein Omen für die Geburt oder das Auftreten einer großen Persönlichkeit. Die Sichtung himmelblauer Drachen ist ein direktes Vorzeichen für den kommenden Frühling. Drachengottheiten lebten in Flüssen, Seen, Buchten und Brunnen und sollen dies bis heute tun. Als Geistwesen des Wassers verursachen sie im Fluge Regen und bei Kämpfen Gewitter und Stürme. Drachen fungierten im alten China oft als Wächterwesen und Beschützer, besonders für den Kaiser und seinen Hof. Auch im jahrtausende alten Weissagungsbuch I Ging wird der Drache des Öfteren erwähnt. Darin sind als negative Symbolbedeutungen Selbstüberschätzung und maßloses Handeln zu nennen. Allgemein werden dem Drachensymbol (und damit auch den Drachen selbst,) positiv Stärke, Klugheit, Wohltätigkeit und somit Glück für alle, die auf ihn treffen, zugeschrieben. Numerologisch ist dem Drachen die Zahl 9 zugeordnet, was für einen Reichtum an Yang, dem warmen, männlichen Prinzip, steht.
Im alten Ägypten waren Riesenschlangen Geistwesen, die die Portale ins Jenseits und in der Unterwelt selbst, bewachen. Sie wurden also allgeimein als positiv bis neutral angesehen. Eine Ausnahme davon bildet Apophis, der jede Nacht versucht die Reise Ra's mit dem Sonnenboot durch die Unterwelt zu beenden. Das Scheitern Ra's hätte der Legende nach zur Folge, dass die Sonne nicht mehr aufgeht.
Auch in Griechenland treten Riesenschlangen und Drachen auf, die hier keine Unterscheidung finden. Sie haben als mächtige (meist) grobstoffliche Wesen eine Wächterfunktion für große Schätze und besondere Orte, die jedoch von den griechischen Herrschern wohl nicht sehr geschätzt wurde. Immer wieder wurden Helden (wie zum Beispiel Herakles) ausgesandt, um die unter dem Begriff „drakon“ zusammengefassten Wesen zu morden und ihre Schätze zu rauben. Die griechischen Drachendarstellungen, als Gegner der Helden, haben nicht zuletzt auch ihren Einfluss auf das christliche Mittelalter gehabt, wo das Griechischstudium (, nach dem Bibelstudium,) ein Hauptbestandteil der christlich verfälschenden Bildung war (z.B. Uminterpretation von Odysseus und die Sirenen auf das „Kirchenschiff“).
Bei den Germanen und Kelten hatten Drachen und Riesenschlangen, ähnlich wie bei den Chinesen, meist eine neutrale bis positive Rolle als Wächter der Welten. Sie standen für diverse ganzheitliche und wiederkehrende Zusammenhänge und zierten in Form von Knotengeflecht (oft als Uroboros) Gewänder, Fibeln (Gewandschließen), Gürtel, rituelle Gegenstände und waren Teil der Gebäudeornamentik (bzw. -bemalung). Drachen und Lindwürmer standen für Weisheit, nahezu unbezwingbare Stärke, Macht und waren wiedererwartend Wächter großer Schätze und Heiligtümer. Nur die Midgardschlange (Jormungand) wurde (ähnlich wie Apophis in Ägypten) als wiederkehrende Bedrohung für die Weltordnung gesehen. Erst im Frühmittelalter wandelte sich die Beziehung zu den schützenden Drachen und Schlangen enorm. Mitglieder des Geschlechts der Wälsungen erschlugen zahlreiche von ihnen, um Reichtum, Ruhm und Macht zu erlangen. Die Schätze der Natur verloren in dieser Zeit, durch den Einfluss der Christianisierung, zunehmend an Wert. Kein Wunder, dass ihre alten Bewahrer zornig und zu Feinden des neuen Menschen wurden, der begann die Natur zu bekämpfen, anstatt im Einklang mit ihr zu leben!
Im christlichen Europa wurden Drachen und (Riesen-)Schlangen fast schon zu Synonymen, die für „teuflische“ (Teufel ist hier eine christliche Schmähbezeichnung für alle Andersdenkenden), das heißt antichristliche, Kräfte standen und bis heute stehen. Nach der Johannesapokalypse sollen in der Endzeit derartige oder damit gleichgesetzte Wesen gegen die Christen ankämpfen. So haben alle christlichen Drachen- und Schlangendarstellungen, wohl aufgrund paganer Positivbesetzungen, negative Bedeutungen: Sie stehen für vom Christengott ungewollte Erkenntnis (Eva und die Schlange), dunkle Bedrohungen, sowie alle Sünden. Der Basilisk, der König der Schlangen, aus der historia naturalis des Plinius wird im Christentum zum Symbol des Antichristen. Diese Ansicht könnte auf diverse Visionen und Prophezeihungen dieser Zeit zurückgehen. Drachen treten im Christentum oft echsenhaft und geflügelt auf und wurden als grobstofflich angesehen. Das belegt auch die berühmteste mittelalterliche Drachendarstellung: Die Drachentötung durch den heiligen Georg. Dieser Drache soll in einem See gelebt haben und bedrohte immer wieder die nahe gelegene Stadt. Um ihn milde zu stimmen wurden dem Tier täglich zwei Schafe geopfert. Als diese zur Neige gingen mussten per Los Menschen geopfert werden. So wurde auch die Prinzessin Cleolinda ausgelost und sollte geopfert werden. Als Ritter Georg dies vernahm zog er aus und kämpfte gegen den Drachen, um die schöne Königstochter zu retten. Drachensagen gibt es in ganz Europa in groben Mengen. Doch alle klingen der Geschichte des Heiligen Georg extrem ähnlich. Immer steht ein erzürnter Drache im Vordergrund. Und zu Zorn hatten die weisen Lindwürmer guten Grund!
Fazit: Drachen und Riesenschlangen sind, der Natur zugewandte, dem Menschen gegenüber generell neutrale Wesen, die Portale, Heiligtümer und Schätze (besonders der Natur) um jeden Preis schützen. Ihr Verhalten gegenüber dem Menschen kann agressiv werden, wenn diese ihre Güter, Werte, Aufgaben und Ziele bedrohen. Jedoch gibt es auch bei ihnen, so wie bei allen Wesen, einzelne Exemplare, die ungerechte oder sogar die ganze Welt gefährende Ziele verfolgen.


Quelle: Cherry, John (hrsg.): Fabeltiere – Von Drachen, Einhörnern und anderen mythischen Wesen, Reclam, Stuttgart 2009, S. 19 – 67.

1 Kommentar:

  1. Sehr guter Kommentar und dann kommt noch dazu:


    Für die Kelten symbolisierte der Drache die Kraft der Erde, des Himmels des Wassers und des Feuers. Sie leben in der Erde und schützen die Tore und Übergänge in die Anderswelt. In der keltisch-christlichen Mythologie stand der rote Drache symbolisch für Britannien, während der weiße Drache für die Sachsen stand. Daher trug Uther, Arthurs Vater, den Beinamen "Pendragon" (der große Drache), Einen Kampf der beiden Drachen, "der die Flüsse des Landes mit Blut tränken" werde, sagte Taliesin als junger Merlin dem Vortigern vorher, welcher den Thron widerrechtlich an sich gebracht hatte. Sein Turm in Snowdon fiel immer wieder zusammen, da er ihn über den beiden Drachen gebaut (= die Sachsen ins Land geholt) hatte.


    viel Liebe und Licht Dir

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